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	<title>Fallbeispiele &#8211; Initiative Lieferkettengesetz</title>
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	<description>Die Initiative Lieferkettengesetz ist ein Zusammenschluss zahlreicher Organisationen mit einem gemeinsamen Ziel: Wir treten ein für eine Welt, in der Unternehmen Menschenrechte achten und Umweltzerstörung vermeiden.</description>
	<lastBuildDate>Tue, 16 Jun 2026 10:34:58 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Fallbeispiele &#8211; Initiative Lieferkettengesetz</title>
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	<item>
		<title>Kinderarbeit in Lieferketten: Globale Trends und warum unternehmerische Sorgfaltspflichten helfen</title>
		<link>https://www.lieferkettengesetz.de/fallbeispiel/kinderarbeit-in-lieferketten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sofie Kreusch]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Jun 2026 07:59:38 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Kinder schuften in Minen, arbeiten in Textilfabriken, ernten Kakao- und Kaffeebohnen auf Plantagen. Unternehmen, die in globalen Lieferketten operieren, haben eine konkrete Verantwortung gegenüber Menschenrechten und Umwelt und können einen zentralen Teil dazu beitragen, Risiken von Kinderarbeit zu erkennen und wirksam zu mindern. Das Ziel der Vereinten Nationen, Kinderarbeit bis 2025 zu beenden, wurde verfehlt. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><strong>Kinder schuften in Minen, arbeiten in Textilfabriken, ernten Kakao- und Kaffeebohnen auf Plantagen. Unternehmen, die in globalen Lieferketten operieren, haben eine konkrete Verantwortung gegenüber Menschenrechten und Umwelt und können einen zentralen Teil dazu beitragen, Risiken von </strong><a href="https://www.unicef.de/informieren/einsatz-fuer-kinderrechte/lieferketten"><strong>Kinderarbeit zu erkennen und wirksam zu mindern</strong></a><strong>.</strong></p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Das Ziel der Vereinten Nationen, Kinderarbeit bis 2025 zu beenden, wurde verfehlt. Neueste Erhebungen<a href="#sdfootnote1sym" id="sdfootnote1anc"><sup>1</sup></a> zur globalen Kinderarbeit zeigen dennoch Fortschritte: Weltweit waren 2024 rund 138 Millionen Kinder von Kinderarbeit betroffen, über 20 Millionen weniger als 2020, obwohl der Anteil der Bevölkerung unter 18 Jahren um 230 Millionen gestiegen ist<a href="#sdfootnote2sym" id="sdfootnote2anc"><sup>2</sup></a>. Dieser Fortschritt ist jedoch fragil: Globale Haushaltskürzungen, neue Krisen, Konflikte und der Klimawandel<a href="#sdfootnote3sym" id="sdfootnote3anc"><sup>3</sup></a> bedrohen die erreichten Erfolge. Um Kinderarbeit in allen Formen innerhalb der nächsten fünf Jahre zu beenden, müsste das derzeitige Tempo der Fortschritte elfmal schneller sein.</p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Zahlen und Fakten zur weltweiten Kinderarbeit</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Kinder im Alter von 5 bis 11 Jahren sind am stärksten betroffen und machen 57 Prozent aller arbeitenden Kinder aus, etwa 79 Millionen. Besonders gefährliche Arbeiten werden überdurchschnittlich häufig von jüngeren Kindern verrichtet. In Subsahara-Afrika sind über zwei Drittel der Kinder in Kinderarbeit jünger als zwölf Jahre.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Die sektorale Verteilung zeigt, dass die meiste Kinderarbeit in der Landwirtschaft stattfindet, nämlich 61 Prozent. Dienstleistungen wie Hausarbeit oder Straßenverkauf folgen mit 27 Prozent, Industrie wie Bergbau oder Fertigung mit 13 Prozent. Daten aus 33 Ländern zeigen, dass rund 40 Prozent der 5 bis 14-jährigen arbeitenden Kinder mindestens einem gefährlichen Risiko ausgesetzt sind, zum Beispiel dem Tragen schwerer Lasten, extremen Temperaturen, Staub oder dem Umgang mit gefährlichen Werkzeugen<a href="#sdfootnote4sym" id="sdfootnote4anc"><sup>4</sup></a><a href="#sdfootnote5sym" id="sdfootnote5anc"><sup>5</sup></a>. Diese Arbeiten gefährden die Gesundheit, Sicherheit oder Entwicklung der Kinder.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="719" height="480" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2026/06/UNICEF_UNI701344_Rasnat.jpg" alt="" class="wp-image-32372" style="width:500px" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2026/06/UNICEF_UNI701344_Rasnat.jpg 719w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2026/06/UNICEF_UNI701344_Rasnat-300x200.jpg 300w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2026/06/UNICEF_UNI701344_Rasnat-600x400.jpg 600w" sizes="(max-width: 719px) 100vw, 719px" /><figcaption class="wp-element-caption">© UNICEF/UNI701344/Rasnat</figcaption></figure>
</div>


<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Unternehmensverantwortung und Kinderarbeit</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Kinderarbeit entsteht nicht zufällig, sondern meist genau dort, wo strukturelle Risiken hoch sind. Dazu gehören weit verbreitete Armut, mangelnder Zugang zu Bildung, fragile Sozialsysteme, informelle Arbeitsstrukturen und begrenzte wirtschaftliche Alternativen für Familien. Kinderarbeit findet sich deshalb oft in komplexen Sektoren wie Mica-Abbau in Madagaskar<a href="#sdfootnote6sym" id="sdfootnote6anc"><sup>6</sup></a>, Cobalt Abbau im Kongo, der Textilproduktion in Bangladesch<a href="#sdfootnote7sym" id="sdfootnote7anc"><sup>7</sup></a>, auf Kakaoplantagen in der Elfenbeinküste oder Kaffeeplantagen in Honduras<a href="#sdfootnote8sym" id="sdfootnote8anc"><sup>8</sup></a>. Es gibt diverse Belege dafür, dass freiwillige Maßnahmen von Unternehmen unzureichend sind, um die am stärksten gefährdeten Kinder am Anfang dieser Lieferketten zu schützen<a href="#sdfootnote9sym" id="sdfootnote9anc"><sup>9</sup></a><a href="#sdfootnote10sym" id="sdfootnote10anc"><sup>10</sup></a>. Deshalb schaffen Lieferkettengesetze für Unternehmen einen verbindlichen Rahmen, um menschenrechtliche Risiken frühzeitig zu identifizieren, Maßnahmen zu ergreifen und im Schulterschluss mit Regierungen und Partnern genau dort zu investieren, wo Kinder am verletzlichsten sind.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Eine gezielte und an internationalen Standards orientierte Umsetzung der unternehmerischen Sorgfaltspflicht durch das Monitoring der menschenrechtlichen Risiken, ein sogenannter risikobasierter Ansatz, hilft Unternehmen dabei, systematisch zu prüfen, wo die größten Gefährdungen für Kinderrechte bestehen, welche Geschäftsmodelle, Preisdruckmechanismen oder Beschaffungspraktiken unbeabsichtigt Kinderarbeit fördern und wie präventiv gehandelt werden kann. So können Unternehmen Risiken wie Kinderarbeit nicht nur erkennen, sondern ihnen aktiv vorbeugen indem sie die Ursachen adressieren, Risiken mindern und im Ernstfall wirksame Abhilfe schaffen.</p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Unternehmensbeispiel: VF Corporation</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Ein praxisnahes Beispiel liefert VF Corporation, ein multinationaler Bekleidungs- und Schuhhersteller. VF erkannte, dass Risiken für Kinder nicht nur in der direkten Fabrikarbeit entstehen, sondern durch die Kombination von instabilen Einkommen der Eltern, fehlendem Zugang zu Bildung, Gesundheitsdiensten und schwachen sozialen Sicherungssystemen. 2017 startete VF das Worker &amp; Community Development Programm, um systemisch auf Kinderrechte einzuwirken. Das Programm verfolgt drei zentrale Ziele. Erstens die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Fabriken, zweitens die Stärkung der Lebensbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten der Kinder von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und drittens den Ausbau von Gemeinschaftsstrukturen für Bildung, Gesundheit und soziale Unterstützung. VF integriert Kinderrechte aktiv in seine Lieferkette, nutzt Monitoring, Schulungen, Community-Programme und systematische Partnerschaften mit NGOs und lokalen Behörden<a href="#sdfootnote11sym" id="sdfootnote11anc"><sup>11</sup></a>.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img decoding="async" width="1024" height="681" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2026/06/UNICEF_UN0378258_PANJWAN-1024x681.jpg" alt="" class="wp-image-32373" style="width:500px" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2026/06/UNICEF_UN0378258_PANJWAN-1024x681.jpg 1024w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2026/06/UNICEF_UN0378258_PANJWAN-300x200.jpg 300w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2026/06/UNICEF_UN0378258_PANJWAN-768x511.jpg 768w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2026/06/UNICEF_UN0378258_PANJWAN-600x400.jpg 600w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2026/06/UNICEF_UN0378258_PANJWAN.jpg 1386w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">© UNICEF/UN0378258/PANJWAN</figcaption></figure>
</div>


<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Implikationen für Lieferkettengesetze</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Das Beispiel zeigt, dass Prävention, soziale Unterstützung und nachhaltiges Lieferkettenmanagement Hand in Hand gehen müssen, um Kinderarbeit wirksam zu bekämpfen. Audits oder Lieferantenverträge reichen nicht aus<a href="#sdfootnote12sym" id="sdfootnote12anc"><sup>12</sup></a>, um ein auf tiefer struktureller Ungleichheit basierendes Problem wie Kinderarbeit abzuschaffen. Unternehmen tragen deshalb im Rahmen ihrer Sorgfaltspflichten eine klare Verantwortung, nicht nur Risiken zu erkennen und zu adressieren, sondern aktiv die Systeme zu stärken, die Kinder schützen. Nur in diesem Zusammenspiel können Risiken nachhaltig reduziert und Fortschritte gesichert werden.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Genau diese Realität zeigt, warum Lieferkettengesetze mit einem klaren risikobasierten Ansatz unverzichtbar sind. Mit der EU-Lieferkettenrichtlinie, die bis 2028 in deutsches Recht umgesetzt werden muss, wird das deutsche Lieferkettengesetz um diesen Ansatz ergänzt. Dieser zwingt Unternehmen, systematisch hinzuschauen, präventiv Maßnahmen zu ergreifen, transparente Lieferketten zu schaffen und gezielt dort zu investieren, wo Kinder besonders gefährdet sind. So werden systemische Ursachen adressiert und nicht nur Symptome behandelt<a href="#sdfootnote13sym" id="sdfootnote13anc"><sup>13</sup></a><a href="#sdfootnote14sym" id="sdfootnote14anc"><sup>14</sup></a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://www.lieferkettengesetz.de/mailingaktion/"><img decoding="async" width="561" height="227" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2026/04/CTA-Mailingaktion.png" alt="" class="wp-image-32344" style="width:380px" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2026/04/CTA-Mailingaktion.png 561w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2026/04/CTA-Mailingaktion-300x121.png 300w" sizes="(max-width: 561px) 100vw, 561px" /></a></figure>
</div>


<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#sdfootnote1anc" id="sdfootnote1sym">1</a> ILO / UNICEF (2025): <a href="https://www.unicef.de/informieren/materialien/kinderarbeitbericht/376250">Kinderarbeit. globale Schätzungen 2024, Trends und der Weg in die Zukunft</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#sdfootnote2anc" id="sdfootnote2sym">2</a> UNICEF (2025): <a href="https://unicefde-my.sharepoint.com/personal/laura_much_unicef_de/Documents/The%20State%20of%20the%20World's%20Children%202025"><u>State of the World’s Children 2025. Ending child poverty: our shared imperative</u></a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#sdfootnote3anc" id="sdfootnote3sym">3</a> ILO/UNICEF (2024): <a href="https://www.unicef.de/355660/data/da3985eb8f4b854304a8aaa27193e6ff">Klimawandel als Treiber von Kinderarbeit</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#sdfootnote4anc" id="sdfootnote4sym">4</a> ILO / UNICEF (2025): <a href="https://www.unicef.de/informieren/materialien/kinderarbeitbericht/376250">Kinderarbeit. globale Schätzungen 2024, Trends und der Weg in die Zukunft</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#sdfootnote5anc" id="sdfootnote5sym">5</a> Fair Labour (2025): <a href="https://www.fairlabor.org/wp-content/uploads/2025/02/FLA_Guidance_on_Preventing_and_Addressing_Child_Labor_in_Supply_Chains.pdf">Guidance on Preventing and Addressing Child Labor in Supply Chains</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#sdfootnote6anc" id="sdfootnote6sym">6</a> Initiative Lieferkettengesetz (2025): <a href="https://www.lieferkettengesetz.de/fallbeispiel/mica/">Im Schatten des Glitzers: Wie Kinder nach dem Mineral Mica schürfen</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#sdfootnote7anc" id="sdfootnote7sym">7</a> UNICEF (2019): <a href="https://www.unicef.org/rosa/media/3001/file/Report%20ClimateChange-Embargoed%20-%20UNICEF.pdf">A Gathering Storm. Climate Change Clouds the Future of Children in</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.unicef.org/rosa/media/3001/file/Report%20ClimateChange-Embargoed%20-%20UNICEF.pdf">Bangladesh</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#sdfootnote8anc" id="sdfootnote8sym">8</a> UN-Joint Programme (2024): <a href="https://www.ilo.org/publications/ending-child-labour-supply-chains-inter-agency-action-address-its-root?utm_source=chatgpt.com">CLEAR Supply Chains: Ending child labour in supply chains</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#sdfootnote9anc" id="sdfootnote9sym">9</a> Save the Children/UN Global Compact/UNICEF (2022): <a href="https://www.unicef.org/reports/charting-course">Charting the Course. Embedding Children’s Rights in Responsible Business Conduct</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#sdfootnote10anc" id="sdfootnote10sym">10</a> BMAS (2020): <a href="https://www.csr-in-deutschland.de/DE/Wirtschaft-Menschenrechte/NAP/Ueber-den-NAP/Monitoring/monitoring.html">NAP Monitoring</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#sdfootnote11anc" id="sdfootnote11sym">11</a> Article One/NBIM/UNICEF (2021): <a href="https://www.unicef.org/media/97396/file/Addressing%20Children%E2%80%99s%20Rights%20in%20the%20Garment%20and%20Footwear%20Supply%20Chain.pdf?utm_source=chatgpt.com">Addressing Children‘s Rights in the Garment and Foortwear Supply Chain</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#sdfootnote12anc" id="sdfootnote12sym">12</a> Save the Children (2023): <a href="https://www.savethechildren.net/news/child-labour-risks-found-widespread-global-supply-chains-cellphones-coffee-new-study?utm_source=chatgpt.com">Studie „Child Rights Risks in Global Supply Chains: Why a ‘Zero Tolerance’ Approach is not Enough“</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#sdfootnote13anc" id="sdfootnote13sym">13</a> UNICEF (2022): <a href="https://www.unicef.de/informieren/materialien/child-labour-and-responsible-business-conduct-a-guidance-note-for-action/308712"><u>Child Labour and Responsible Business Conduct. </u><u>A Guidance Note for Action</u></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#sdfootnote14anc" id="sdfootnote14sym">14</a> UNICEF (2022): <a href="https://www.unicef.de/informieren/materialien/wbcsd-bericht/266342">Kinderarbeit bekämpfen: Ein Leitfaden für Führungskräfte</a></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Vorfahrt für Menschenrechte: Über den Arbeitskampf im Transportsektor</title>
		<link>https://www.lieferkettengesetz.de/fallbeispiel/vorfahrt-fur-menschenrechte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sofie Kreusch]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Dec 2025 12:00:46 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Ausstehende Löhne und Sozialleistungen, überlange Arbeitszeiten, Missachtung der geltenden Rechtslage, schlechte Hygienebedingungen, Vortäuschung falscher Tatsachen im Anwerbeprozess bis hin zu Anzeichen von Zwangsarbeit und Menschenhandel – die Liste der Risiken und realen Missstände ist lang. Und sie betrifft eine Branche, die selten im Fokus steht, wenn es um Menschenrechtsverletzungen in den Wertschöpfungsketten global gehandelter Güter [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><strong>Ausstehende Löhne und Sozialleistungen, überlange Arbeitszeiten, Missachtung der geltenden Rechtslage, schlechte Hygienebedingungen, Vortäuschung falscher Tatsachen im Anwerbeprozess bis hin zu Anzeichen von Zwangsarbeit und Menschenhandel – die Liste der Risiken und realen Missstände ist lang. Und sie betrifft eine Branche, die selten im Fokus steht, wenn es um Menschenrechtsverletzungen in den Wertschöpfungsketten global gehandelter Güter geht: die <a href="https://www.suedwind-institut.de/informieren/publikationen/beitrag/bitte-wenden-menschenrechtliche-risiken-in-der-transport-und-logistikbranche" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Transport- und Logistikbranche</a> – Drehscheibe unserer globalisierten und arbeitsteiligen Wirtschaft.</strong></p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Als die Autobahnraststätte Gräfenhausen an der A5 im Jahr 2023 zweimal Schauplatz eines mehrwöchigen Arbeitskampfes wurde, hat dies ein Schlaglicht auf die teils unwürdigen Bedingungen in der Transport- und Logistikbranche geworfen. Im Frühjahr und im Herbst 2023<a id="_ftnref1" href="#_ftn1"><sup>[1]</sup></a> hat es ein kleiner Teil der Beschäftigten aus dieser Branche sogar in die Abendnachrichten geschafft: Über 100 LKW-Fahrer sind auf der Autobahnraststätte Gräfenhausen in Südhessen in einen langen Arbeitskampf getreten, in dem sie für ihre ausstehenden Löhne kämpfen mussten. Das polnische Speditionsunternehmen, für das sie tätig sind, schuldete ihnen zeitweise über eine halbe Million Euro. Doch statt in Verhandlungen zu treten, schickte das Unternehmen am Karfreitag 2023 Schlägertrupps vorbei, um der LKW habhaft zu werden. Nur der örtlichen Polizei ist es zu verdanken, dass den Fahrern nicht Schlimmeres passiert ist. Das alles passierte mitten in Deutschland – eine Ausnahme? Mitnichten! Nicht alle Transportdienstleister sind kriminell, aber die Probleme sind systemisch, sie sind bekannt und spielen sich auf verschiedenen Etappen der Transport-Lieferkette ab. Und immerhin: in Deutschland hat die Polizei zugunsten der Beschäftigten eingegriffen und ein breites Netzwerk an Menschen aus Gewerkschaft und lokaler Bevölkerung hat den Beschäftigten beigestanden. Das ist nicht überall der Fall.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/12/DGB-Beratungsnetzwerk-Faire-Mobilitaet-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-32179" style="width:500px" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/12/DGB-Beratungsnetzwerk-Faire-Mobilitaet-1024x768.jpg 1024w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/12/DGB-Beratungsnetzwerk-Faire-Mobilitaet-300x225.jpg 300w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/12/DGB-Beratungsnetzwerk-Faire-Mobilitaet-768x576.jpg 768w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/12/DGB-Beratungsnetzwerk-Faire-Mobilitaet-1536x1152.jpg 1536w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/12/DGB-Beratungsnetzwerk-Faire-Mobilitaet-2048x1536.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Erfolgreicher Streik in Gräfenhausen | Foto: DGB-Beratungsnetzwerk Faire Mobilität</em></figcaption></figure>
</div>


<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Der DGB Hessen-Thüringen errechnete seinerzeit an einem Fallbeispiel einen Stundenlohn von unter 2 Euro für einen Fahrer, dem nach geltendem Recht deutscher Mindestlohn zustehen würde und dem ein Monatslohn von 2.400 Euro versprochen worden war<a id="_ftnref2" href="#_ftn2"><sup>[2]</sup></a>. Auch das ist nach Aussagen des DGB-Beratungsnetzwerkes Faire Mobilität keine Ausnahme. Denn der Transport von Waren unterliegt einem desaströsen Preiskampf. Das führt nicht nur zu skandalösen Bedingungen im europäischen Straßengüterverkehr<sup><a id="_ftnref3" href="#_ftn3">[3]</a>,<a id="_ftnref4" href="#_ftn4">[4]</a></sup>, sondern wird auch auf dem Rücken vieler Arbeiter*innen in den Häfen und Lagerhäusern<a id="_ftnref5" href="#_ftn5"><sup>[5]</sup></a> sowie der Seeleute an Bord der Containerschiffe<a id="_ftnref6" href="#_ftn6"><sup>[6]</sup></a> ausgetragen. Seeleuten fehlt auf den Schiffen zudem oft die Möglichkeit, via Internet mit ihren Familien in Verbindung zu bleiben, oder der Landgang wird ihnen aus verschiedenen Gründen verwehrt.</p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Unterschiedliche Symptome – gleiche Ursachen</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><a href="https://www.suedwind-institut.de/informieren/blog/beitrag/auf-europaeischen-strassen-ausbeutung-im-gueterverkehr"></a>Die Mechanismen sind strukturell und gleichen den Problemen, die wir in vielen Teilen der Welt immer wieder ausmachen, wenn wir uns mit dem Thema Zwangsarbeit beschäftigen: Armut und Ausweglosigkeit führen dazu, dass Menschen systematisch missbraucht werden. Hierzu gehören illegale Praktiken von Anwerbeagenturen, wie das Vortäuschen falscher Tatsachen und Ausnutzen von fehlenden Sprachkenntnissen. Auf Europas Straßen sind es vielfach Menschen aus Drittstaaten wie Georgien, Usbekistan oder Tadschikistan, zunehmend aber auch aus Süd(ost)asien und Afrika, die für Hungerlöhne und unter miesesten hygienischen Bedingungen oft monatelang in der LKW-Kabine hausen. Auf internationalen Schiffen sind es vor allem Menschen aus den Philippinen, Russland, Indonesien, China und Indien. Sie alle eint, dass sie sich nicht zur Wehr setzen können, denn sie kennen die Rechtslage nicht und haben wenig Unterstützung, sie sprechen die Sprache nicht, in der sie die Verträge unterschrieben haben, ihre Aufenthaltserlaubnis ist gekoppelt an das Arbeitsverhältnis, sie können sich nicht organisieren, weil sie ständig unterwegs sind und sie werden oft massiv eingeschüchtert.</p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Arbeitsrechtliche Risiken in der internationalen Handelsschifffahrt</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Seeleute werden häufig von Agenturen angeworben, die sowohl Vermittlungsgebühren verlangen als auch die Kosten für die Anreise zum Schiff und nötige Visa in Rechnung stellen, obwohl diese Praxis rechtswidrig ist<a id="_ftnref7" href="#_ftn7"><sup>[7]</sup></a>. Die Arbeit auf See beginnt so für viele häufig schon mit einer Schuldenfalle. Neben harter, körperlicher Arbeit auf den Schiffen wird von überlangen Arbeitstagen, ausbleibenden, zu geringen oder ungleichen Lohnzahlungen, mangelhafter Verpflegung, einbehaltenen Pässen oder fehlender medizinischer Versorgung berichtet. Diese Bedingungen herrschen nicht nur auf Schiffen ausländischer Reedereien. Ausbeuterische Arbeitsbedingungen können auch bei europäischen bzw. deutschen Reedereien vorkommen, zum Beispiel der Zwang zu Überstunden, nicht ausgezahlte Löhne, Diskriminierung und mangelhafter Zugang zu Nahrung und Wasser für die Crew<a id="_ftnref8" href="#_ftn8"><sup>[8]</sup></a>.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="685" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/12/4.3_ILO_Seafarers_Flickr_49845749888_f560d89232_o-1024x685.jpg" alt="" class="wp-image-32177" style="width:500px" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/12/4.3_ILO_Seafarers_Flickr_49845749888_f560d89232_o-1024x685.jpg 1024w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/12/4.3_ILO_Seafarers_Flickr_49845749888_f560d89232_o-300x201.jpg 300w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/12/4.3_ILO_Seafarers_Flickr_49845749888_f560d89232_o-768x514.jpg 768w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/12/4.3_ILO_Seafarers_Flickr_49845749888_f560d89232_o-1536x1028.jpg 1536w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/12/4.3_ILO_Seafarers_Flickr_49845749888_f560d89232_o-2048x1370.jpg 2048w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/12/4.3_ILO_Seafarers_Flickr_49845749888_f560d89232_o-600x400.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Harte Arbeit für wenig Lohn in der Handelsschiffahrt | Foto: Legoupi S./ ILO via Flickr</em></figcaption></figure>
</div>


<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Ob Corona, der russische Krieg gegen die Ukraine oder die Huthi-Attacken, die die Durchfahrt durch den Suez-Kanal riskant machen – die Arbeitssituation von Seeleuten hat sich in den letzten Jahren noch verschärft. Hierzu zählen nicht nur die verstärkten Angriffe auf Schiffe in Krisenregionen, sondern auch die prekäre Situation von Seeleuten, deren Schiffe von den Eigentümer*innen aus ökonomischen Gründen aufgegeben wurden. Manche Seeleute harren monatelang auf diesen verlassenen Schiffen aus – in der Hoffnung, ausstehende Löhne doch noch zu erhalten<a id="_ftnref9" href="#_ftn9"><sup>[9]</sup></a>.</p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Arbeitsrechtliche Risiken im (europäischen) Straßengüterverkehr</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Zur Sicherstellung einer guten Logistik setzen Unternehmen auf ein hohes Maß an Flexibilität – die Beauftragung von Subunternehmen zur optimalen Auslastung und dem Ausgleich von Belastungsspitzen gehört dazu. Gerade innerhalb dieser intransparenten Subunternehmer-Strukturen herrschen aufgrund eines immensen Preisdrucks bei der Vergabe die schlimmsten Arbeitsbedingungen. Gleichzeitig sind die behördlichen Kontrollen auf deutschen Straßen schwach und Strafen so gering, dass es lukrativer ist, Recht zu brechen. Zu den Missständen im Straßengüterverkehr in Deutschland und Europa gehören u.a.<sup><a id="_ftnref10" href="#_ftn10">[10]</a>,<a id="_ftnref11" href="#_ftn11">[11]</a></sup>:</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25aa.png" alt="▪" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />lange Arbeitszeiten und unbezahlte Überstunden, auch unter Umgehung der gesetzlich vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten sowie der vorgeschriebenen Mindestlöhne,</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25aa.png" alt="▪" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />Arbeitszeitmodelle, deren Ausgestaltung einen zusammenhängenden Erholungsurlaub verhindert, indem z.B. einzelne Urlaubstage für die freie Woche verrechnet werden,</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25aa.png" alt="▪" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />niedrige Löhne, teils auch einbehaltene Löhne, z.B. im Falle einer Kündigung, oder die widerrechtliche Anrechnung von Spesen, Anwerbe- oder sonstiger Gebühren auf die Mindestlöhne,</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25aa.png" alt="▪" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />schlechte Infrastruktur für die notwendigen Pausen, fehlende Parkplätze und unsichere und unhygienische Bedingungen auf den Rastplätzen und den Ladestationen,</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25aa.png" alt="▪" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />Umgehung von gesetzlichen Vorgaben, z.B. auch durch die Aushändigung falscher Dokumente und falscher Arbeitszeitdokumentation,</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25aa.png" alt="▪" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />Einsatz von Arbeitnehmer*innen aus Drittstaaten ohne ausreichende Papiere.</p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Erste Erfolge durch das LkSG</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Dass das Lieferkettengesetz Wirkung zeigt, hat nicht zuletzt der eingangs erwähnte Streik der LKW-Fahrer in Gräfenhausen gezeigt: In die festgefahrene Situation kam Bewegung, als der damalige Bundesarbeitsminister Hubertus Heil ankündigte, Sonderprüfungen bei den Unternehmen, deren Waren auf den LKW verladen waren, vornehmen zu lassen. Der Chef der Behörde reiste eigens an, um die Frachtbriefe zu prüfen. Ein paar Tage später haben die streikenden LKW-Fahrer ein Großteil ihres ausstehenden Lohns ausgezahlt bekommen. Seither ist Bewegung in die Branche gekommen – auch bei der Industrie und den Unternehmen, die die Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Noch ist es schwierig, Licht in das sehr komplexe und intransparente Netzwerk der Sub-Subvergabe zu bringen. Aber viele Unternehmen haben die Risiken erkannt und nehmen die Branche als das wahr, was sie ist: Eine Hochrisikobranche, bei der genaueres Hinschauen erforderlich ist.</p>



<div style="height:27px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div class="wp-block-advgb-images-slider advgb-images-slider-block advg-images-slider-3866be0b-5350-4051-bca5-72bd6fafb14e"><div class="advgb-images-slider" dir="ltr"><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/12/1.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:373px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/12/2.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:373px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/12/3.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:373px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/12/4.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:373px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/12/5.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:373px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div></div></div>



<div style="height:27px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn1" href="#_ftnref1">[1]</a> SÜDWIND-Blog: „<a href="https://suedwind-institut.blogspot.com/2023/10/streik-lkw-fahrer.html">In Katar sind die Bedingungen besser als in Europa“</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> DGB Hessen-Thüringen (2023): Die Solidarität ist ungebrochen, Pressemitteilung; <a href="https://hessen-thueringen.dgb.de/presse/++co++583ee128-45a2-11ee-be39-001a4a160123">https://hessen-thueringen.dgb.de/presse/++co++583ee128-45a2-11ee-be39-001a4a160123</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn3" href="#_ftnref3">[3]</a> ITF Global: European trucking’s systemic exploitation of workers</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.itfglobal.org/en/stories/exposed-european-truckings-systemic-exploitation-workers">https://www.itfglobal.org/en/stories/exposed-european-truckings-systemic-exploitation-workers</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> DGB Beratungsnetzwerk Faire Mobilität: Arbeitsbedingungen im internationalen Straßentransport in Deutschland; Juni 2025; <a href="https://www.faire-mobilitaet.de/dgb-fm-fileadmin/dateien/Dokumente/Internationaler-Stra%C3%9Fentransport/Fachinformationen/Dossier_Arbeitsbedingungen_Entsendung_06_25_barrierefrei.pdf">https://www.faire-mobilitaet.de/dgb-fm-fileadmin/dateien/Dokumente/Internationaler-Stra%C3%9Fentransport/Fachinformationen/Dossier_Arbeitsbedingungen_Entsendung_06_25_barrierefrei.pdf</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Systemrelevant – und dennoch unsichtbar. Arbeitsbedingungen in der Hafen- und Lagerlogistik; <a href="https://www.suedwind-institut.de/fileadmin/Suedwind/Publikationen/2025/FS-2025-06-Hafenlogistik.pdf">https://www.suedwind-institut.de/fileadmin/Suedwind/Publikationen/2025/FS-2025-06-Hafenlogistik.pdf</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Zhang et al 2020: Restructuring seafarers’ welfare under the Maritime Labour Convention: an empirical case study of Greece</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> ITF Seafarers’ Bulletin 36/2022: https://www.itfglobal.org/sites/default/files/node/resources/files/SB2022-EN.pdf</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn8" href="#_ftnref8">[8]</a> World Maritime News 2019: ITF: Seafarers Provide Insight on Working Conditions on Blumenthal Vessels <a href="https://www.offshore-energy.biz/itf-seafarers-provide-insight-on-working-conditions-on-blumenthal-vessels/">https://www.offshore-energy.biz/itf-seafarers-provide-insight-on-working-conditions-on-blumenthal-vessels/</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> Engelhardt, Anne (2025): Arbeits- und Menschenrechte auf hoher See: Auch für Seeleute braucht es ein (globales) Lieferkettengesetz; <a href="https://suedwind-institut.blogspot.com/2025/04/arbeits-und-menschenrechte-auf-hoher.html">https://suedwind-institut.blogspot.com/2025/04/arbeits-und-menschenrechte-auf-hoher.html</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> <a href="https://transfair-project.eu/wp-content/uploads/2022/03/TransFair-De-Smedt-De-Wispelaere-Quanti-Dimension-RoadTransport-2020.pdf">De Smedt / De Wispelaere (2020</a>): Road freight transport in the EU</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><a id="_ftn11" href="#_ftnref11">[11]</a> <a href="https://www.bundestag.de/resource/blob/925908/979a10d92d5473ca9b9d6b4b5bc77147/Stellungnahme-Faire-Mobilitaet-DGB-data.pdf">Weirich / Wahl 2022</a>: Informationen zur Branche »Internationaler Straßentransport«</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Aluminium: Deutschlands Profit ist Guineas Schaden</title>
		<link>https://www.lieferkettengesetz.de/fallbeispiel/aluminium_bauxit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sofie Kreusch]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Aug 2025 15:21:19 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">https://lieferkettengesetz.de/?post_type=cases&#038;p=31860</guid>

					<description><![CDATA[Bauxit ist als Basis für Aluminium ein begehrter Rohstoff. Das Leichtmetall ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Ob Dosen, Leitern, Joghurtdeckel, Felgen oder Fensterrahmen – es steckt in vielen Produkten.&#160; Derzeit steigt die Nachfrage vor allem für erneuerbare Energiegewinnung und elektrische Mobilität. 2023 hat Deutschland eine Million Tonnen Bauxit importiert, 72% davon kamen aus Guinea, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><strong>Bauxit ist als Basis für Aluminium ein begehrter Rohstoff. Das Leichtmetall ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Ob Dosen, Leitern, Joghurtdeckel, Felgen oder Fensterrahmen – es steckt in vielen Produkten.</strong>&nbsp; <strong>Derzeit steigt die Nachfrage vor allem für erneuerbare Energiegewinnung und elektrische Mobilität. 2023 hat Deutschland eine Million Tonnen Bauxit importiert, 72% davon kamen aus Guinea</strong>, <strong>das weltweit über die größten Bauxitvorkommen verfügt</strong><a id="_ftnref1" href="#_ftn1"><sup>1</sup></a><strong>. In den Jahren zuvor lag der Anteil sogar deutlich höher.</strong></p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Damit Deutschlands Industrie ausreichende Mengen zu Verfügung stehen, unterstützt die Bundesregierung den Import im Rahmen der Außenwirtschaftsförderung. 2016 hat sie einen Kredit der ING Diba Bank an das guineische Bergbauunternehmen Compagnie des Bauxites de Guinée (CBG)<a id="_ftnref2" href="#_ftn2"><sup>2</sup></a> über 293 Mio. US-Dollar versichert, plus 253 Mio. US-Dollar Zinsen<a id="_ftnref3" href="#_ftn3"><sup>3</sup></a>. Bedingung für die sogenannte Ungebundene Finanzkredit Garantie (UFK) ist, dass 15 % des in der Mine abgebauten Bauxits nach Deutschland exportiert wird. Welche Folgen der Bauxitabbau für die guineische Bevölkerung hat, ist für Bank, Regierung und Unternehmen offenbar zweitrangig.</p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Rücksichtloser Bauxitabbau – entrechtete Bevölkerung</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Im Konzessionsgebiet der CBG liegen 20 Dörfer. Das Unternehmen gräbt die Mine bis zu 500 Meter an die Dörfer heran. Humusschichten der Agrarflächen werden unsachgemäß abgetragen, sodass der Boden unfruchtbar wird. Durch das Heraussprengen des Bauxits aus dem Boden entstehen große Mengen Staub, die zu Atemwegsbeschwerden der Bevölkerung führen und die Fruchtbarkeit von Pflanzen beeinträchtigen. Die Sprengungen verursachen auch Bodenerschütterungen, durch die Häuser beschädigt werden.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/08/2022-12-06_Bourore-Wand-eingestuerzt-4-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-31862" style="width:400px" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/08/2022-12-06_Bourore-Wand-eingestuerzt-4-1024x768.jpg 1024w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/08/2022-12-06_Bourore-Wand-eingestuerzt-4-300x225.jpg 300w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/08/2022-12-06_Bourore-Wand-eingestuerzt-4-768x576.jpg 768w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/08/2022-12-06_Bourore-Wand-eingestuerzt-4-1536x1152.jpg 1536w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/08/2022-12-06_Bourore-Wand-eingestuerzt-4-2048x1536.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Eingestürzte Hauswand / Foto: FIAN Deutschland</em></figcaption></figure>
</div>


<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Die Umwelt wird in höchstem Maße zerstört. Um an möglichst viel Bauxit heranzukommen, holzt das Unternehmen auch Primärwälder ab, zerstört unterirdische Wasseradern und verschmutzt Oberflächengewässer, die die Bevölkerung bisher für Haushalt und Körperpflege nutzte. Die Beeinträchtigungen durch den Bergbau sind so groß, dass Dörfer keinen anderen Ausweg sehen, als Zwangsumsiedlungen zuzustimmen.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Aber auch in diesen Fällen werden die Betroffenen für den Verlust ihrer Lebensgrundlage unzureichend entschädigt und bekommen vom der CBG nicht einmal Arbeitsstellen angeboten. Insbesondere Frauen sind dieser Situation ausgeliefert, weil sie durch Fürsorgearbeit an ihre Lebensorte gebunden sind.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Die Justiz in Guinea ist nicht unabhängig. Die Regierung war jahrzehntelang für Korruption bekannt. 2021 hat das Militär geputscht. Der guineische Staat, für den der Bergbausektor die größte Einnahmequelle ist, schützt Betroffene nicht. Gewinne aus dem Bergbau stellen 18% des Bruttoinlandprodukts (BIP) dar.<a id="_ftnref4" href="#_ftn4"><sup>4</sup></a></p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Deutsche Unternehmen nehmen Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen in Kauf</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Den größten Einzelkredit für CBG hat 2016 die ING Diba gezahlt. In Deutschland wird das Bauxit der CBG-Mine vor allem von den Automobil- und Energiekonzernen, sowie in der Bau- und Verpackungsindustrie verwendet.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Obwohl Bank und Unternehmen durch Wirkungsanalysen der Weltbanktochter IFC (2016) und die Beschwerde von 13 Dörfern bei der Beschwerdestelle der IFC<a id="_ftnref5" href="#_ftn5"><sup>5</sup></a> wussten, in welchem Ausmaß die CBG-Mine Menschenrechte verletzt und Umwelt zerstört, beziehen sie Aluminium weiterhin von dort, ohne wirksam dagegen einzuschreiten. Die ING DiBa, die Rechtsverletzungen und Umweltzerstörungen mit ihrem Kredit ermöglicht hat, äußert sich nicht zum Fall und den Folgen ihrer Geschäftspolitik.</p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Wie wirken das deutsche und das europäische Lieferkettengesetz im Fall der CBG-Mine?</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Um LkSG-Beschwerden gegen sie vorzubeugen haben einige deutsche Unternehmen begonnen, sich mit den Menschenrechts- und Umweltfolgen der CBG-Mine und anderen großen Bauxitminen in Guinea zu befassen. Vertreter*innen von Automobil- und Energiekonzernen haben sich die Lage vor Ort angeschaut und eine Delegation von NGO-Vertreter*innen und Betroffenen zu Gesprächen nach Berlin eingeladen. Der Branchendialog Energiewirtschaft erarbeitet eine Strategie zur Minimierung der Auswirkungen des Bauxitabbaus in Guinea.<a id="_ftnref6" href="#_ftn6"><sup>6</sup></a> Die EU-Richtlinie zu Sorgfaltspflichten von Wirtschaftsunternehmen (CSDDD) sieht vereinfachte Verfahren für Zivilklagen von Betroffenen von Rechtsverletzungen in Wertschöpfungsketten vor.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/08/2022-12_Hore-Lafou-Fluss-5-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-31863" style="width:400px" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/08/2022-12_Hore-Lafou-Fluss-5-1024x768.jpg 1024w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/08/2022-12_Hore-Lafou-Fluss-5-300x225.jpg 300w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/08/2022-12_Hore-Lafou-Fluss-5-768x576.jpg 768w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/08/2022-12_Hore-Lafou-Fluss-5-1536x1152.jpg 1536w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/08/2022-12_Hore-Lafou-Fluss-5-2048x1536.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Verschmutzungen des Flusses Hore-Lafou / Foto: FIAN Deutschland</em></figcaption></figure>
</div>


<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Wie müssten LkSG und CSDDD verbessert werden, um Betroffene wirksam vor Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung zu schützen?</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25aa.png" alt="▪" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />   Die ING DiBa hat den Kredit vor Inkrafttreten der Lieferkettengesetze vergeben. Das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) gilt nicht rückwirkend. Allerdings leiden die Bewohner*innen im Minengebiet bis heute unter den Folgen des Kredits, die Menschenrechtsverletzungen halten an und betreffen analog zur Ausbreitung der Mine immer mehr Menschen. Obwohl der Gesetzestext – wie die UN-Prinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte – sich auf alle Wirtschaftssektoren bezieht, schließt das für die Umsetzung des Gesetzes zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) die Anwendung auf das Kerngeschäft des Finanzsektors grundsätzlich aus.<a id="_ftnref7" href="#_ftn7"><sup>7</sup></a> Die EU hat das Kerngeschäft des Finanzsektors für die ersten zwei Jahre der Anwendung der &nbsp;CSDDD ausgenommen und will diese Entscheidung erst dann überprüfen.<a id="_ftnref8" href="#_ftn8"><sup>8</sup></a> Die Regelungen des BAFA und der EU schwächen die Schutzwirkungen der Gesetze. Um diese zu stärken, müssten die Kerngeschäfte von Finanzakteuren umfassend unter den Anwendungsbereich der Gesetze fallen.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25aa.png" alt="▪" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />   Zum Umweltschutz verlangt das deutsche LkSG nur Sorgfaltspflichten hinsichtlich hochgiftiger Schadstoffe. Das würde die Lebensbedingungen der Betroffenen der CBG-Mine nicht merklich verbessern. Das EU-Gesetz schließt in die Sorgfaltspflichten dagegen internationale Regelungen zum Umweltschutz ein, auch im Hinblick auf den Zusammenhang zwischen Umweltschäden und grundlegenden Menschenrechten, wie den Rechten auf Nahrung, Wasser und Gesundheit. Die Bestimmungen des LkSG müssten auf das Niveau der CSDDD angehoben werden, um nicht nur in Spezialfällen zu greifen.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25aa.png" alt="▪" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Die CSDDD sieht eine zivilrechtliche Haftungsregel vor. Das heißt, die EU-Mitgliedsstaaten müssen Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen die Möglichkeit einräumen, vor Gericht zu ziehen und Schadensersatz einzuklagen. Dies ist nicht nur entscheidend für Betroffene, sondern wird auch präventive Wirkung haben, denn es erhöht den Druck auf Unternehmen, Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen in ihren Wertschöpfungsketten vorzubeugen, zu mildern und zu stoppen. Nun braucht es eine rasche Umsetzung der CSDDD, damit die Haftungsregelung wirken kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<div class="wp-block-advgb-images-slider advgb-images-slider-block advg-images-slider-29b50360-0302-4079-b632-521d45ab6ad9"><div class="advgb-images-slider" dir="ltr"><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/08/1.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:400px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/08/2.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:400px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/08/3.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:400px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/08/4.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:400px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/08/5.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:400px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div></div></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> <a href="https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Rohstoffe/Downloads/Downloads-MR/rohsit-2023.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=3">https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Rohstoffe/Downloads/Downloads-MR/rohsit-2023.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=3</a> (21.07.2025)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> <a href="https://cbg-guinee.com/">https://cbg-guinee.com/</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, 15. Februar 2021, BT-Drucksache: 19/25982</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> <a href="https://www.gtai.de/de/trade/guinea-wirtschaft/wirtschaftsdaten-kompakt">https://www.gtai.de/de/trade/guinea-wirtschaft/wirtschaftsdaten-kompakt</a> (21.7.2025)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> <a href="https://www.cao-ombudsman.org/case/guinea-cbg-01-sangaredi">https://www.cao-ombudsman.org/case/guinea-cbg-01-sangaredi</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> <a href="https://www.csr-in-deutschland.de/DE/Wirtschaft-Menschenrechte/Umsetzungshilfen/Branchendialoge/Energiewirtschaft/Minimierung-negativer-Auswirkungen-des-Bauxitaubbaus-in-Guinea/minimierung-auswirkungen-bauxitabbau-guinea.html">https://www.csr-in-deutschland.de/DE/Wirtschaft-Menschenrechte/Umsetzungshilfen/Branchendialoge/Energiewirtschaft/Minimierung-negativer-Auswirkungen-des-Bauxitaubbaus-in-Guinea/minimierung-auswirkungen-bauxitabbau-guinea.html</a> (28.07.2025)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> <a href="%20https:/www.bafa.de/DE/Lieferketten/Handreichungen/handreichungen_node.html">&nbsp;https://www.bafa.de/DE/Lieferketten/Handreichungen/handreichungen_node.html</a> (28.07.2025)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> EU CSDDD, Art. 36</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Schatten des Glitzers: Wie Kinder nach dem Mineral Mica schürfen</title>
		<link>https://www.lieferkettengesetz.de/fallbeispiel/mica/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sofie Kreusch]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Jul 2025 08:23:03 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Das Mineral Mica ist kaum jemandem bekannt, dabei steckt es in vielen Produkten: in Autos, Kosmetik, Farben, Lacken, Handys, Computern und Haushaltsgeräten. Mica ist vielfältig einsetzbar, weil es Strom und Hitze isoliert, Materialien verstärkt und schimmert. Die größten Exporteure sind Indien und Madagaskar. Dort schürfen mehr als 32.000 Kinder Mica. Ein starkes EU-Lieferkettengesetz würde Unternehmen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><strong>Das Mineral Mica ist kaum jemandem bekannt, dabei steckt es in vielen Produkten: in Autos, Kosmetik, Farben, Lacken, Handys, Computern und Haushaltsgeräten. Mica ist vielfältig einsetzbar, weil es Strom und Hitze isoliert, Materialien verstärkt und schimmert. Die größten Exporteure sind Indien und Madagaskar. Dort schürfen mehr als 32.000 Kinder Mica. Ein starkes EU-Lieferkettengesetz würde Unternehmen endlich verpflichten, wirksam gegen diese Form der Ausbeutung von Kindern vorzugehen. </strong></p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">In Indien wird Mica vor allem in den Bundesstaaten Bihar und Jharkhand abgebaut, den ärmsten Regionen des Landes. Dort werden circa 25 Prozent des weltweit verbrauchten Micas gewonnen<a id="_ftnref1" href="#_ftn1"><sup>1</sup></a>, illegal und ohne jegliche staatliche Kontrolle. Nach Schätzungen lokaler Organisationen sind 300.000 Menschen in 847 Dörfern vom Mica-Abbau abhängig, davon etwa 22.000 Kinder die Mica schürfen<a id="_ftnref2" href="#_ftn2"><sup>2</sup></a>.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Während der Corona-Pandemie hatte sich diese Problematik vor allem durch die Schließung von Schulen und dem damit verbundenen Wegfall der Schulspeisung verschärft. Doch auch einige Jahre nach Corona ist das Problem der ausbeuterischen Arbeit von Kindern weiterhin existent, da die Bedarfe der Industrie durch die fortschreitende Digitalisierung weiterwachsen. Der Lohn ist dagegen gering und die Aufkäufer des Rohstoffs Mica nutzen diese existenzbedrohende Situation gnadenlos aus: Eine Familie verdient durch ihre Mica-Tagesproduktion etwa 100 Indische Rupien, umgerechnet etwa 1,10 Euro. Der Verdienst liegt damit weit unterhalb der Armutsgrenze von 1,90 Dollar pro Tag und Person.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/10/Indien_Mica_Foto_terre-des-hommes_57-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-29746" style="width:500px" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/10/Indien_Mica_Foto_terre-des-hommes_57-1024x683.jpg 1024w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/10/Indien_Mica_Foto_terre-des-hommes_57-300x200.jpg 300w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/10/Indien_Mica_Foto_terre-des-hommes_57-768x512.jpg 768w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/10/Indien_Mica_Foto_terre-des-hommes_57-1536x1024.jpg 1536w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/10/Indien_Mica_Foto_terre-des-hommes_57-2048x1365.jpg 2048w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/10/Indien_Mica_Foto_terre-des-hommes_57-600x400.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Ausbeuterische Kinderarbeit für das Mineral Mica © terre des hommes</em></figcaption></figure>
</div>


<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Mica-Schürfen: extrem gefährlich und gesundheitsschädigend für die Kinder</strong><strong></strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Die jüngsten Kinder, die Mica schürfen, sind vier Jahre alt. Sie arbeiten meist gemeinsam mit ihren Eltern. Da es keinerlei Möglichkeit der Betreuung kleinerer Kinder gibt, sind Mütter gezwungen, auch Säuglinge und Kleinkinder mit zur Arbeit zu nehmen und sie Hitze und Staub auszusetzen. Die Arbeitsbedingungen sind gefährlich: Mica wird aus selbst gegrabenen Löchern geholt, die bis zu 20 Meter tief und nicht gesichert sind. Arbeitsunfälle – auch tödliche – sind häufig, denn die Schächte brechen ein oder laufen bei Regen mit Wasser voll. Immer wieder werden Erwachsene und Kinder verschüttet und ersticken. Kinder arbeiten bis zu zwölf Stunden, sie schürfen Mica und sortieren es nach Größe. Die meisten leiden unter Erkrankungen der Atemwege und Schnittwunden. Viele der Kinder sind unterernährt.<a id="_ftnref3" href="#_ftn3"><sup>3</sup></a></p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">In Madagaskar ist die Situation nicht besser: Auch hier arbeiten nachweislich Kinder beim Abbau von Mica. Im Jahr 2019 fanden Forscher*innen<a id="_ftnref4" href="#_ftn4"><sup>4</sup></a> Kinder in 14 Minen im Süden des Landes. Sie arbeiteten gemeinsam mit ihren Familien. Während die Männer Schächte ausheben und zum Teil verzweigte Tunnelsysteme anlegen, bringen Kinder und Frauen das Mica an die Oberfläche und sortieren es. Auch hier besteht erhebliche Unfallgefahr, da die Menschen ohne professionelle Ausrüstung und Absicherung arbeiten. Je nach Qualität des Mica zahlen Aufkäufer für den Tagesertrag eines Erwachsenen zwischen 27 Cent und 3 US Dollar. Das Risiko der Kinderarbeit beim Abbau von Mica besteht auch in Brasilien und China, hier liegen bis heute allerdings keine Studien oder andere Belege vor.</p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Kinderarbeit im Bergbau gehört zu den schlimmsten Formen der Ausbeutung</strong><strong></strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Kinderarbeit im Bergbau – sei es über oder unter Tage – beeinträchtigt das Leben, die Gesundheit und die Sicherheit von Kindern. Deshalb gehört sie zu den schlimmsten Formen der Kinderarbeit, wie sie die Konvention 182 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) definiert. Solche Kinderarbeit ist in allen Staaten der Welt verboten. Sowohl die ILO Konvention 182<a id="_ftnref5" href="#_ftn5"><sup>5</sup></a> als auch die UN Richtlinien für Wirtschaft und Menschenrechte legen fest, dass Unternehmen die schlimmsten Formen der Kinderarbeit aktiv beenden müssen<a id="_ftnref6" href="#_ftn6"><sup>6</sup></a>.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/LAFATR1-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-31808" style="width:500px" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/LAFATR1-1024x683.jpg 1024w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/LAFATR1-300x200.jpg 300w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/LAFATR1-768x512.jpg 768w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/LAFATR1-1536x1024.jpg 1536w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/LAFATR1-2048x1365.jpg 2048w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/LAFATR1-600x400.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Lova, Tsiry und Hery sortieren Mica in Benato, Anosy Region, Madagascar © Aelle Studio</figcaption></figure>
</div>


<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>EU kommt ihrer Sorgfaltspflicht gegenüber Kinderarbeit nicht nach</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Der am 23. Juni 2025 unter Federführung der polnischen Ratspräsidentschaft gefasste Beschluss unterstützt den Plan der EU Kommission, die obligatorischen und systematischen Sorgfaltspflichten auf direkte Zulieferer zu beschränken. Sollte – wie im Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD festgeschrieben – das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz durch die europäische CSDDD ersetzt werden, ist nach den aktuellen Entwicklungen zu befürchten, dass insbesondere der Rohstoffabbau künftig nicht mehr in den Anwendungsbereich der Sorgfaltspflichten fällt.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Genau hier liegt das Problem: Kein deutsches Unternehmen importiert Mica direkt von Aufkäufern in Indien oder Madagaskar. Stattdessen wird Mica über mehrere Zwischenhändler zunächst an weiterverarbeitende Betriebe verkauft, Dabei wird zum Teil die illegale Herkunft aus Bihar und Jharkhand, Indien verschleiert. Nachdem das Mineral zu Pulver vermahlen oder zu Platten gepresst wurde, wird es exportiert. Die Lieferkette für Farben- und Kosmetik ist vergleichsweise kurz: Importeure verkaufen an die Hersteller in aller Welt. Für Autos und Elektronik ist der Weg des Mica weiter: Zumeist chinesische Firmen kaufen Pulver und Platten und stellen Vorprodukte und Komponenten für Autos, Elektronik und Haushaltsgeräte her. Sie werden wiederum in China oder weiteren Ländern verbaut und weiter exportiert. Hier würde nach dem aktuellen Beschluss kein Anlass für die Unternehmen mehr bestehen um die Menschenrechtsverletzungen in Mica-Lieferketten wirksam zu bekämpfen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/A-man-going-down-the-mica-pit-to-mine-mica-©-Aelle-Studio-1024x683.jpg" alt="A man going down the mica pit to mine mica © Aelle Studio" class="wp-image-31810" style="width:500px" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/A-man-going-down-the-mica-pit-to-mine-mica-©-Aelle-Studio-1024x683.jpg 1024w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/A-man-going-down-the-mica-pit-to-mine-mica-©-Aelle-Studio-300x200.jpg 300w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/A-man-going-down-the-mica-pit-to-mine-mica-©-Aelle-Studio-768x512.jpg 768w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/A-man-going-down-the-mica-pit-to-mine-mica-©-Aelle-Studio-1536x1024.jpg 1536w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/A-man-going-down-the-mica-pit-to-mine-mica-©-Aelle-Studio-2048x1365.jpg 2048w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/A-man-going-down-the-mica-pit-to-mine-mica-©-Aelle-Studio-600x400.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Ein Mann steigt in die die enge Mica-Grube © Aelle Studio</em></figcaption></figure>
</div>


<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Ein starkes europäisches Lieferkettengesetz muss für die gesamte Lieferkette gelten</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Das EU-Lieferkettengesetz muss Menschenrechtsverletzungen in der gesamten Lieferkette ohne Abstufung verhindern – angefangen beim Rohstoffabbau. Wenn beim Mica-Abbau Kinder ausgebeutet werden, müssen Unternehmen wirksame, ganzheitliche Präventions- und Abhilfemaßnahmen ergreifen.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Erst wenn das EU-Lieferkettengesetz alle Unternehmen in der EU auf diese Maßnahmen verpflichtet, nutzt es die enorme Marktmacht der EU, um ausbeuterische Kinderarbeit zu bekämpfen. Auch kleine Unternehmen müssen in die Pflicht genommen werden, denn auch sie kaufen Produkte ein, in denen Mica enthalten ist. Dass Mica nur in sehr geringen Mengen in Produkten enthalten ist, darf für Unternehmen keine Entschuldigung mehr sein!</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<div class="wp-block-advgb-images-slider advgb-images-slider-block advg-images-slider-f0170347-56ac-4f94-abce-8eed60437c43"><div class="advgb-images-slider" dir="ltr"><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/1_2.png" class="advgb-image-slider-img" alt="1_2" style="width:450px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"><h4 class="advgb-image-slider-title">1_2</h4></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/2-1.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:450px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/3-1.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:450px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/4-1.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:450px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/5-1.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:450px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div></div></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> <a href="https://lebasic.com/v2/content/uploads/2023/04/BASIC_India-Mica-Report_Final_January-2023.pdf">BASIC_India-Mica-Report_Final_January-2023.pdf</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> BEAUTY AND A BEAST CHILD LABOUR IN INDIA FOR SPARKLING CARS AND COSMETICS, Stichting Onderzoek Multinationale Ondernemingen (SOMO) Centre for Research on Multinational Corporations, terre des hommes, Amsterdam 2016, <a href="https://www.datocms-assets.com/22233/1590499248-terre-des-hommes-beauty-and-a-beast.pdf">1590499248-terre-des-hommes-beauty-and-a-beast.pdf (datocms-assets.com)</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Ebd.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> CHILD LABOUR IN MADAGASCAR’S MICA SECTOR Impact of the mica supply chain on children’s rights from the Malagasy mines to the international product line; Somo, terre des hommes Netherland, Amsterdam 2019, <a href="https://www.datocms-assets.com/22233/1623490704-child-labour-in-madagascars-mica-sector-terre-des-hommes.pdf">1623490704-child-labour-in-madagascars-mica-sector-terre-des-hommes.pdf (datocms-assets.com)</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> <a href="https://www.ilo.org/de/kinderarbeit">https://www.ilo.org/de/kinderarbeit</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> <a href="https://www.un.org/en/observances/world-day-against-child-labour">https://www.un.org/en/observances/world-day-against-child-labour</a> &amp; <a href="https://unglobalcompact.org/what-is-gc/mission/principles/principle-5">https://unglobalcompact.org/what-is-gc/mission/principles/principle-5</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Ausbeutung hinter den billigen Bananen</title>
		<link>https://www.lieferkettengesetz.de/fallbeispiel/bananen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sofie Kreusch]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Jul 2025 12:36:58 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">https://lieferkettengesetz.de/?post_type=cases&#038;p=31791</guid>

					<description><![CDATA[Arbeit im giftigen Pestizidnebel, Hungerlöhne, Bekämpfung von Gewerkschaften: Ausbeutung in verschiedenster Form ist Alltag in der Bananenproduktion. Erste Beschwerden gegen deutsche Supermarktketten zeigen: Das Lieferkettengesetz schützt schon jetzt die Rechte betroffener Arbeiter*innen, muss jedoch an entscheidenden Stellen nachgebessert werden, um mehr Wirkung zu entfalten. Die Marktmacht der Supermärkte: Ein ungleiches Machtgefälle Der größte Teil unserer [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><strong>Arbeit im giftigen Pestizidnebel, Hungerlöhne, Bekämpfung von Gewerkschaften: Ausbeutung in verschiedenster Form ist Alltag in der Bananenproduktion. Erste Beschwerden gegen deutsche Supermarktketten zeigen: Das Lieferkettengesetz schützt schon jetzt die Rechte betroffener Arbeiter*innen, muss jedoch an entscheidenden Stellen nachgebessert werden, um mehr Wirkung zu entfalten.</strong></p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong><strong>Die Marktmacht der Supermärkte: Ein ungleiches Machtgefälle</strong></strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Der größte Teil unserer Lebensmittel wird in Supermärkten verkauft. Rewe, Aldi, Edeka sowie die Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland) teilen 87&nbsp;% des deutschen Marktes unter sich auf – Tendenz weiter steigend.<a id="_ftnref1" href="#_ftn1"><sup>1</sup></a></p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Dadurch haben diese Supermärkte eine enorme Marktmacht. Und das nicht nur in Deutschland, sondern in ihren globalen Lieferketten. Lieferanten und Erzeuger*innen müssen kontinuierlich große Warenmengen in vorgegebener Qualität und zu niedrigen Preisen liefern. Die Supermärkte drücken die Preise, unfaire Konditionen werden in die Verträge diktiert. Der Preisdruck wird in der Lieferkette weitergereicht. Kleinbäuer*innen und Arbeitskräfte am Anfang der Lieferkette haben dabei das Nachsehen – sie tragen die größte Last auf ihren Schultern und verdienen dabei Hungerlöhne.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Die Supermärkte dagegen verdienen am meisten an den verkauften Produkten – sie streichen häufig über 50% des Verkaufspreises ein, während Arbeiter*innen oft nur wenige Prozent bekommen.<a id="_ftnref2" href="#_ftn2"><sup>2</sup></a></p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Zudem führt dieser Preisdruck zu drastischen Arbeitsrechtsverletzungen. Beispielsweise sind Arbeiter*innen auf Bananenplantagen regelmäßig giftigen Pestiziden ausgesetzt:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">„<em>Sie holen die Arbeiter*innen nicht aus der Plantage, wenn gesprüht wird. Sie sagen den Arbeiter*innen auch nicht Bescheid. […] „Man versteckt sich unter den Blättern, damit die Flüssigkeit einen nicht trifft</em>“ <a href="https://www.oxfam.de/aktuelles/beschwerde-eingereicht-edeka-rewe-verstossen-gegen-lieferkettengesetz">schildert ein Arbeiter</a> in Costa Rica.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="580" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/dsc00906_15_11_2022_flugzeug_entlastet_fumigizide3_flugplatz_vinces-1024x580.webp" alt="" class="wp-image-31821" style="width:500px" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/dsc00906_15_11_2022_flugzeug_entlastet_fumigizide3_flugplatz_vinces-1024x580.webp 1024w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/dsc00906_15_11_2022_flugzeug_entlastet_fumigizide3_flugplatz_vinces-300x170.webp 300w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/dsc00906_15_11_2022_flugzeug_entlastet_fumigizide3_flugplatz_vinces-768x435.webp 768w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/dsc00906_15_11_2022_flugzeug_entlastet_fumigizide3_flugplatz_vinces-1536x870.webp 1536w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/dsc00906_15_11_2022_flugzeug_entlastet_fumigizide3_flugplatz_vinces-2048x1160.webp 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Pestizidflugzeug &#8211; Foto: Oxfam Deutschland</em></figcaption></figure>
</div>


<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Lohnbetrug gestoppt: Beschwerden nach dem Lieferkettengesetz wirken!</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Das Lieferkettengesetz erlaubt es nun, gegen diese Missstände mit Beschwerden vorzugehen. Und diese zeigen bereits durchschlagende Erfolge:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">„<em>Früher bekamen wir Bananenarbeiterinnen weniger als die Hälfte des Mindestlohns. Dank der Beschwerde von Oxfam und der Gewerkschaft ASTAC hat sich das geändert: Alle Stunden werden bezahlt, und wir haben eine Gewerkschaftsgruppe auf der Farm gegründet!“</em>, sagt Sandra Pérez, Generalsekretärin der Gewerkschaft ASTAC im Bananen-Unternehmen Otisgraf, Ecuador</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Etwas vorsichtiger optimistisch ist <a href="https://www.oxfam.de/blog/interview-didier">Didier Leitón</a>, Generalsekretär der Gewerkschaft SITRAP aus Costa Rica: </p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><em>„Es hat in der Bananenindustrie einige Fortschritte gegeben. Beispielsweise werden die Wochenendzuschläge jetzt besser respektiert. Außerdem gibt es bessere Schutzausrüstung für die Arbeiter*innen. Das hat auch mit internationalen Beschwerden zu tun.“</em></p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Ein Teilfazit: Das Lieferkettengesetz trägt also schon jetzt dazu bei, die Position von Gewerkschaften in Produktionsländern wie Ecuador und Costa Rica zu stärken. Und das ist bitter nötig, kämpfen die Gewerkschaften doch unter widrigen Bedingungen – wie konstanter Behinderung ihrer Arbeit bis hin zu <a href="https://www.oxfam.de/ueber-uns/aktuelles/ecuador-morddrohungen-gegen-gewerkschafterinnen">Morddrohungen</a> &#8211; für die Rechte der Arbeiter*innen.<a id="_ftnref3" href="#_ftn3"><sup>3</sup></a></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="357" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/Didier-Leiton-SITRAP-1024x357.webp" alt="" class="wp-image-31820" style="width:500px" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/Didier-Leiton-SITRAP-1024x357.webp 1024w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/Didier-Leiton-SITRAP-300x105.webp 300w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/Didier-Leiton-SITRAP-768x268.webp 768w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/Didier-Leiton-SITRAP-1536x535.webp 1536w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/Didier-Leiton-SITRAP-2048x714.webp 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Didier Leitón, SITRAP &#8211; Foto: Oxfam Deutschland</em></figcaption></figure>
</div>


<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Ein Zwischenerfolg: Gewährung von Akteneinsicht und Anerkennung als Verfahrensbeteiligte</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Die Supermarktketten Aldi und Lidl sind auf die Kernanforderung in den Beschwerden eingegangen: Eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften und den Produzenten zur Behebung der Missstände. Rewe und EDEKA haben sich solch einer Zusammenarbeit jedoch verweigert, weshalb betroffene Arbeiter*innen und die Gewerkschaft ASTAC Beschwerde bei dem zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) eingereicht haben. Die Verfahren sind langwierig, konnten jedoch einige Erfolge verzeichnen. Im Herbst 2024 konnte erreicht werden, dass das BAFA die Gewerkschaft ASTAC in Ecuador als Verfahrensbeteiligte anerkennt und Akteneinsicht gewährt.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Denn damit hat die Gewerkschaft eine echte Chance, eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Ecuador zu erstreiten. Das Lieferkettengesetz ist kein formaler Papiertiger, sondern gewährt Menschen die Möglichkeit, aktiv gegen Ausbeutung in globalen Lieferketten vorzugehen.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">„<em>Dieses Gesetz sorgt dafür, dass wir hier in Deutschland, wo die Bananen verzehrt werden, auf Arbeitsrechtsverstöße aufmerksam machen können und dass dem nachgegangen wird. Das ist ein immenser Fortschritt gegenüber einer Justiz in Ecuador, die nur partiell unabhängig ist und oft im Interesse der Unternehmen agiert. Das Lieferkettengesetz liefert uns mehr Selbstbestimmung.</em>“</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Jorge Acosta, Generalkoordinator und Gründer von ASTAC</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><br>Entscheidend für die Verbesserung der Menschenrechtssituation vor Ort wird am Ende sein, wie das BAFA das Verhalten der Supermarktketten beurteilt und ob es solche Maßnahmen und Anordnungen trifft, die geeignet sind, Abhilfe zu schaffen.  Die Möglichkeit, erlittene Schäden wie zum Beispiel Arztkosten oder entgangene Löhne bei Gericht einzuklagen, sieht das Lieferkettengesetz bisher nicht vor. Mit der EU-Lieferkettenrichtlinie, die bis Mitte 2028 in deutsches Recht umgesetzt werden muss, wird Deutschland jedoch verpflichtet, eine solche zivilrechtliche Haftungsregel einzuführen. Der Rechtsschutz für Betroffene wird damit immens gestärkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Datenanalyse von Lademann &amp; Associates auf Basis von Nielsen TradeDimensions – siehe <a href="https://www.oxfam.de/blog/inflation-lebensmitteln-verschaerft-soziale-ungleichheit">hier</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Tim Zahn und Annika Zeiske. Juni 2021. “Pandemie-Profiteure und Virus-Verlierer*innen”. Oxfam Deutschland. <a href="https://www.oxfam.de/system/files/documents/2021_oxfam_pandemie-profiteure_und_virus-verliererinnen.pdf">2021_oxfam_pandemie-profiteure_und_virus-verliererinnen.pdf</a></p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> 6. Oktober 2023. “Morddrohung gegen Gewerkschafterinnen”. <em>Aktuelles</em>, Oxfam Deutschland. <a href="https://www.oxfam.de/aktuelles/ecuador-morddrohungen-gegen-gewerkschafterinnen">Morddrohungen gegen Gewerkschafterinnen | Oxfam Deutschland</a></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Stand: 8. Juli 2025</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Soy Story: Die traurige Wahrheit zur Entstehung des deutschen Schnitzels</title>
		<link>https://www.lieferkettengesetz.de/fallbeispiel/soja/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sofie Kreusch]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Jul 2025 07:34:11 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die Schweinefleischindustrie in Deutschland ist auf Sojaimporte für ihre Futtermittel angewiesen – ein Großteil davon stammt aus dem brasilianischen Cerrado. Dort zerstört der Sojaanbau Wälder, vertreibt Gemeinschaften und gefährdet die Lebensgrundlage der Menschen vor Ort. Dieses Risikosoja gelangt auch in die Lieferketten deutscher Fleischunternehmen – die damit die Verantwortung haben auf entsprechende Risiken zu reagieren. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><strong>Die Schweinefleischindustrie in Deutschland ist auf Sojaimporte für ihre Futtermittel angewiesen – ein Großteil davon stammt aus dem brasilianischen Cerrado. Dort zerstört der Sojaanbau Wälder, vertreibt Gemeinschaften und gefährdet die Lebensgrundlage der Menschen vor Ort. Dieses Risikosoja gelangt auch in die Lieferketten deutscher Fleischunternehmen – die damit die Verantwortung haben auf entsprechende Risiken zu reagieren. Das deutsche und das europäische Lieferkettengesetz sind entscheidende Hebel zur Bekämpfung dieser Missstände – stehen aber unter extremen politischen Druck.</strong></p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Der Preis für deutsches Schweinefleisch: Vertreibung, Vergiftung, Wasserknappheit, Biodiversitätsverlust</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Jedes Jahr werden in Deutschland rund 44 Millionen Schweine geschlachtet.<sup><a id="_ftnref1" href="#_ftn1">1</a> </sup>Damit sie möglichst schnell wachsen, ist ihr Futter hochkonzentriert – und enthält durchschnittlich 9 % Sojaschrot<a id="_ftnref2" href="#_ftn2"><sup>2</sup></a>. Allein 2023 wurden in Deutschland etwa 740.000 Tonnen Soja für Schweine verfüttert. Ein großer Teil davon stammt aus Brasilien, vor allem aus dem artenreichen Cerrado, wo für den Anbau riesiger Monokulturen Wälder zerstört und Menschenrechte verletzt werden<a id="_ftnref3" href="#_ftn3"><sup>3</sup></a>.</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="995" height="552" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/Bild2.png" alt="" class="wp-image-31764" style="width:650px" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/Bild2.png 995w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/Bild2-300x166.png 300w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/Bild2-768x426.png 768w" sizes="auto, (max-width: 995px) 100vw, 995px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Buriti Dorf, innerhalb des Santa-Isabel Farm Komplexes, dessen Infrastruktur größtenteils zerstört wurde. Quelle: Mighty Earth &amp; France 24 Brazil.</em></figcaption></figure>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Die dortige Sojaproduktion steht in direkter Verbindung mit schweren Menschenrechtsverstößen. Im brasilianischen Cerrado verlieren traditionelle Gemeinschaften wie Melancias und Capão do Modesto durch illegalen Landraub und industrielle Sojaplantagen systematisch ihre Lebensgrundlagen. Auf der Fazenda Santa Isabel wurde Dorfinfrastruktur zerstört, in Piauí drohen bewaffnete Sicherheitsdienste den Anwohner*innen– es gab bereits Schussverletzungen. Der Pestizideinsatz für den Sojaanbau verseucht außerdem &nbsp;das Trinkwasser, tötet Fische und gefährdet die Gesundheit der Menschen. während der enorme Wasserverbrauch der Plantagen für die Bewässerung die Wasserknappheit verstärkt. Dies hat auch für den Amazonasregenwald Folgen, da die Wasserkreisläufe beider Ökosysteme eng verbunden sind. Die beschriebenen Zustände verstoßen gegen gleich mehrere Vorgaben des deutschen Lieferkettengesetzes (§ 2 Abs. 2 Nr. 9, 10, 12) – etwa gegen das Verbot rechtswidriger Landenteignung, gegen das Menschenrecht auf Wasser und gegen das Verbot gewaltsamer Einschüchterung durch Sicherheitspersonal.</p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Wie das Soja zu unseren Schweinen gelangt</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Der Weg des Sojas beginnt auf den Monokulturfeldern im Cerrado und führt über brasilianische Häfen wie Itaqui oder Barcarena nach Europa – häufig über den Umschlaghafen in Amsterdam. Von dort aus gelangt das Soja weiter zu den  Futtermittelherstellern Deutschland. Diese beliefern wiederum Mastbetriebe, die an große Schlachthöfe wie Tönnies oder Westfleisch weiterverkaufen<a id="_ftnref4" href="#_ftn4"><sup>4</sup></a>. Tönnies, Deutschlands größter Schweinefleischverarbeiter mit über 30 % Marktanteil, hat sich öffentlich zu entwaldungsfreien Lieferketten bekannt – bleibt in der Umsetzung aber vage und verweist auf freiwillige Branchenstandards wie das QS-Soja-Modul, das keine echte Rückverfolgbarkeit bietet<a id="_ftnref5" href="#_ftn5"><sup>5</sup></a>.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="605" height="425" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/Bild4.png" alt="" class="wp-image-31765" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/Bild4.png 605w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/Bild4-300x211.png 300w" sizes="auto, (max-width: 605px) 100vw, 605px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Übersicht der Soja-Wertschöpfungskette: Von der Produktion bis zu den Konsument:innen. Quelle: Profundo (2024), FEFAC (2023).</em></figcaption></figure>
</div>


<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Das Problem: Die Unternehmen verwenden schwache Zertifizierungsmodelle wie Mass Balance oder Book &amp; Claim. Diese erlauben die Mischung von Soja unbekannter Herkunft mit nachhaltigerem Soja – sie garantieren keine Herkunftstransparenz. Entwaldungsfreies Soja bleibt damit bislang eine Behauptung – ohne überprüfbare Substanz.</p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Verantwortungslosigkeit in der Lieferkette</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Die Situation zeigt exemplarisch, warum freiwillige Selbstverpflichtungen nicht ausreichen. Unternehmen wie Tönnies oder Westfleisch liefern keine belastbaren Nachweise über die Herkunft des Sojas, das über Bunge importiert wird. Sie verweisen auf brancheneigene Systeme, äußern sich ausweichend oder gar nicht – obwohl ihnen die Risiken durch zahlreiche Berichte über entsprechende Missstände in den letzten Jahren bekannt sind.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Dabei hätten sie rechtlich längst handeln müssen: Das deutsche Lieferkettengesetz (LkSG) verpflichtet seit 2023 Unternehmen mit mehr als 3.000 Mitarbeitenden (seit 2024: ab 1.000) zur menschenrechtlichen und umweltbezogenen Sorgfalt entlang der gesamten Lieferkette – auch bei indirekten Zulieferern<a id="_ftnref6" href="#_ftn6"><sup>6</sup></a>. Die Unternehmen müssen Risiken identifizieren, bewerten, Gegenmaßnahmen einleiten und dokumentieren. Eine bloße Berufung auf Zertifikate reicht nicht.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="995" height="661" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/Bild3-1.png" alt="" class="wp-image-31767" style="width:500px" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/Bild3-1.png 995w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/Bild3-1-300x199.png 300w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/Bild3-1-768x510.png 768w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/Bild3-1-600x400.png 600w" sizes="auto, (max-width: 995px) 100vw, 995px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Schussverletzung eines Mitglieds des Fecho-de-Pasto-Gebiets im Cerrado. Bewaffnete wollten die Gemeinde von ihrem Land vertreiben. Quelle: Fellipe Abreu/ISPN.</em></figcaption></figure>
</div>


<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Wie das deutsche und das europäische Lieferkettengesetz Veränderungen ermöglichen</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Das deutsche LkSG und das kommende EU-Lieferkettengesetz (CSDDD) haben das Potenzial, solche Missstände konkret zu adressieren – sofern sie konsequent angewendet werden:</p>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25aa.png" alt="▪" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />   <strong>Menschenrechtsverletzungen benennen:</strong> Der systematische Landraub im Cerrado fällt unter § 2 Abs. 2 Nr. 10 LkSG. Unternehmen müssen bei Kenntnis Risiken bewerten und handeln – auch bei mittelbaren Zulieferern wie Bunge.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25aa.png" alt="▪" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />   <strong>Transparenz schaffen:</strong> Die CSDDD wird zur Pflicht machen, dass Unternehmen offenlegen, wie sie Sorgfaltspflichten erfüllen – öffentlich und nachvollziehbar.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25aa.png" alt="▪" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />   <strong>Anreize für saubere Lieferketten stärken:</strong> Unternehmen, die wirklich entwaldungsfreie und menschenrechtskonforme Lieferketten aufbauen profitieren von resilienten und transparenteren Lieferbeziehungen – und wenn alle Marktakteure denselben Regeln unterliegen.</p>
</div></div>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Was wir schon mit Hilfe des LkSG tun</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Deutschlands große Fleischproduzenten – Tönnies, Westfleisch und Rothkötter – stehen mutmaßlich in Verbindung zu gravierenden Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung im brasilianischen Cerrado. In einem gemeinsamen Hinweisschreiben an das BAFA hat die DUH daher gemeinsam mit ClientEarth und Mighty Earth eine behördliche Prüfung nach dem Lieferkettengesetz gefordert. Unsere Recherchen belegen: In den Lieferketten der Unternehmen wurde offenbar Soja eingesetzt, das ein Risiko für Landraub, Vertreibung, Abholzung und massivem Pestizideinsatz hat<a id="_ftnref7" href="#_ftn7"><sup>7</sup></a>. Obwohl die Unternehmen seit dem 1. Januar 2023 gesetzlich verpflichtet sind, solche Risiken zu identifizieren und zu minimieren, liegen bislang keine überzeugenden Nachweise für wirksame Maßnahmen vor. Eine Untersuchung durch das BAFA war daher aus unserer Sicht dringend erforderlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<div class="wp-block-advgb-images-slider advgb-images-slider-block advg-images-slider-426064c1-023b-48fb-9d85-e27fe73600a9"><div class="advgb-images-slider" dir="ltr"><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/1.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:400px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/2.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:400px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/3.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:400px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/4.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:400px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/07/5.png" class="advgb-image-slider-img" alt="5" style="width:400px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"><h4 class="advgb-image-slider-title">5</h4></div></div></div></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> <a href="https://www.schweine.net/markt/schlachthofranking.html">https://www.schweine.net/markt/schlachthofranking.html</a></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> <a href="https://wwfeu.awsassets.panda.org/downloads/mapping_the_european_soy_supply_chain_e4c.pdf">https://wwfeu.awsassets.panda.org/downloads/mapping_the_european_soy_supply_chain_e4c.pdf</a></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> <a href="https://www.klimareporter.de/images/dokumente/2024/05/Profits-on-Brz-soy-in-Germany_May20241.pdf">https://www.klimareporter.de/images/dokumente/2024/05/Profits-on-Brz-soy-in-Germany_May20241.pdf</a></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> <a href="https://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Projektinformation/Naturschutz/Soja/Soy_Story_Deutsch_Release_2810_komprimiert_f%C3%BCr_web.pdf">https://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Projektinformation/Naturschutz/Soja/Soy_Story_Deutsch_Release_2810_komprimiert_f%C3%BCr_web.pdf</a></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> <a href="https://www.schweine.net/markt/schlachthofranking.html">https://www.schweine.net/markt/schlachthofranking.html</a></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> <a href="https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&amp;jumpTo=bgbl121s2959.pdf#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl121s2959.pdf%27%5D__1726130690538">https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&amp;jumpTo=bgbl121s2959.pdf#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl121s2959.pdf%27%5D__1726130690538</a></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> <a href="https://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Projektinformation/Naturschutz/Soja/Soy_Story_Deutsch_Release_2810_komprimiert_f%C3%BCr_web.pdf">https://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Projektinformation/Naturschutz/Soja/Soy_Story_Deutsch_Release_2810_komprimiert_f%C3%BCr_web.pdf</a></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Stand: 2. Juli 2025</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Landraub, Mord und Umweltverschmutzung: Der blutige Kampf um Palmöl</title>
		<link>https://www.lieferkettengesetz.de/fallbeispiel/palmol_dinant/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sofie Kreusch]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Jun 2025 10:47:38 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">https://lieferkettengesetz.de/?post_type=cases&#038;p=31719</guid>

					<description><![CDATA[Palmöl gilt als Rohstoff mit hohen menschenrechtlichen und umweltbezogenen Risiken. Trotzdem werden weiterhin massenhaft Palmöl und Palmkernöl nach Deutschland importiert. Zuletzt vermehrt aus Mittelamerika, wo eine massive Ausweitung der Anbauflächen vorangetrieben wurde. Die Folgen vielerorts: Wasserverschmutzung, Arbeitsrechtsverletzungen und Landraub. Besonders im honduranischen Aguán-Tal entspannt sich ein blutiger Konflikt, in dem Mitglieder von Bauernkooperativen bedroht und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><strong>Palmöl gilt als Rohstoff mit hohen menschenrechtlichen und umweltbezogenen Risiken. Trotzdem werden weiterhin massenhaft Palmöl und Palmkernöl nach Deutschland importiert. Zuletzt vermehrt aus Mittelamerika, wo eine massive Ausweitung der Anbauflächen vorangetrieben wurde. Die Folgen vielerorts: Wasserverschmutzung, Arbeitsrechtsverletzungen und Landraub. Besonders im honduranischen Aguán-Tal entspannt sich ein blutiger Konflikt, in dem Mitglieder von Bauernkooperativen bedroht und vertrieben, sogar ermordet werden.</strong><sup><strong><a href="#sdfootnote1sym" id="sdfootnote1anc"><sup>1</sup></a></strong></sup></p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Der Konflikt ist verbunden mit der Palmölproduktion des Unternehmens Corporación Dinant. Seit über zwei Dekaden ist im Aguán-Tal Gewalt gegen Kleinbauern durch bewaffnete Gruppen virulent. Diese Gruppen, so der Vorwurf, handeln im Auftrag von Dinant und werden aktiv zur Einschüchterung und zur Vertreibung der Bäuerinnen und Bauern eingesetzt.<sup><a id="sdfootnote2anc" href="#sdfootnote2sym"><sup>2</sup></a></sup> Im Oktober 2024 stimmte ein US-Gericht einem Vergleich zu, in dessen Rahmen die Kläger*innen &#8211; Bäuer*innen aus dem Aguán-Tal &#8211; fast fünf Millionen US-Dollar von der Entwicklungsbank IFC erhalten. Die Bank hatte vor über 15 Jahren dem Unternehmen Dinant einen Kredit gewährt, um im Aguán-Tal Plantagen mit Ölpalmen zu errichten. </p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="575" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Dinant-Mill-1024x575.png" alt="Dinant Mill: Die von Dinant betriebene Ölmühle in Colón liegt in direkter Nähe zu der Kooperative El Chile, die für die Anerkennung ihrer Landrechte streitet" class="wp-image-31776" style="width:640px" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Dinant-Mill-1024x575.png 1024w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Dinant-Mill-300x169.png 300w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Dinant-Mill-768x431.png 768w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Dinant-Mill-1536x863.png 1536w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Dinant-Mill.png 1917w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Dinant Mill: Die von Dinant betriebene Ölmühle in Colón liegt in direkter Nähe zu der Kooperative El Chile, die für die Anerkennung ihrer Landrechte streitet; Credits: Radio Progreso</em></figcaption></figure>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Von Anfang an gab es harsche Kritik von Umweltschützenden und Menschenrechtsverteidiger*innen. Sie sollten recht behalten: „<em>In den folgenden fünf Jahren führten Bauerngruppen trotz des Widerstands von Dinant und anderen agroindustriellen Konzernen sowie der durch den Putsch an die Macht gekommenen Regierung massive Landrücknahmen durch. Dabei wurden auf den mehrere tausend Hektar großen industriellen Palmplantagen etwa 150 Campesinos getötet oder verschwanden spurlos</em>.”<sup><a id="sdfootnote3anc" href="#sdfootnote3sym"><sup>3</sup></a></sup> Obwohl die massive Gewaltwelle später abebbte, blieben Repression und Einschüchterung gegenüber den Agrarkooperativen bestehen. Eine Intervention der Interamerikanischen Menschenrechtskommission sorgte für eine relative Verbesserung der Situation der Kooperativen<sup><a id="sdfootnote4anc" href="#sdfootnote4sym"><sup>4</sup></a></sup> und die 2022 gewählte Präsidentin Xiomara Castro hatte nach Amtsantritt den kleinbäuerlichen Genossenschaften den Schutz ihrer Landrechte in Aussicht gestellt<sup><a id="sdfootnote5anc" href="#sdfootnote5sym"><sup>5</sup></a></sup>. </p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Doch bis heute hat die von Castro angekündigte Kommission zur Aufarbeitung der Konflikte nicht mit der Arbeit begonnen.<sup><a id="sdfootnote6anc" href="#sdfootnote6sym"><sup>6</sup></a></sup> Das hatte Folgen. Seit Ende 2024 eskaliert die Gewalt im Agúan-Tal erneut, was zu der Vertreibung von über 150 Familien einer Agrargenossenschaft führte,<sup><a id="sdfootnote7anc" href="#sdfootnote7sym"><sup>7</sup></a></sup> drei Menschen wurden allein bis Mitte Mai 2025 ermordet.<sup><a id="sdfootnote8anc" href="#sdfootnote8sym"><sup>8</sup></a></sup> Agrarkooperativen berichten von mindestens zwei weiteren Todesopfern seit Ende Mai 2025.<sup><a id="sdfootnote9anc" href="#sdfootnote9sym"><sup>9</sup></a></sup> Die Kooperativen klagen außerdem über Wasser- und Umweltverschmutzung, ausgehend von den Monokulturplantagen der Ölpalmen.</p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Romero Initiative (CIR) berichtet bereits Anfang 2024 über den Fall</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Die Romero Initiative (CIR) hat den Fall Dinant dokumentiert und bereits zu Beginn des Jahres 2024 im Rahmen einer Studie darüber berichtet.<sup><a href="#sdfootnote10sym" id="sdfootnote10anc"><sup>10</sup></a></sup> Auch in der internationalen Presse wird der „Fall Dinant“ immer wieder beleuchtet und auch die interamerikanische Menschenrechtskommission macht auf die Gewalt aufmerksam.<sup><a href="#sdfootnote11sym" id="sdfootnote11anc"><sup>11</sup></a></sup> Trotz dessen fand die CIR die Firma Dinant weiterhin in den Lieferketten zahlreicher Unternehmen – auch in Deutschland – wieder. Trotz der enormen menschenrechtlichen Risiken gelangte Dinant im vergangenen Jahr an eine Zertifizierung durch den Runden Tisch für Nachhaltiges Palmöl (RSPO), was von NGOs als skandalöse Entwicklung bewertet wird und die Glaubwürdigkeit dieses Siegelgebers massiv beschädigt.<sup><a href="#sdfootnote12sym" id="sdfootnote12anc"><sup>12</sup></a></sup></p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Brandbrief von 32 Organisationen an Unternehmen mit Dinant in der Lieferkette</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Nach der Eskalation seit Ende 2025 fordern 32 Organisationen in einem Brandbrief Unternehmen, die Palmöl von Dinant beziehen, auf, ihre Geschäftsbeziehungen zu suspendieren bis der Konflikt friedlich gelöst ist.<sup><a href="#sdfootnote13sym" id="sdfootnote13anc"><sup>13</sup></a></sup> Der Brief machte deutlich, dass die Risiken, die mit einem Handel mit Dinant einhergehen, bekannt sind und die Rechtsverletzungen umfassend dokumentiert wurden. Infolge der Dokumentation und der Hinweise durch den Brandbrief haben zahlreiche Unternehmen Beschwerdeprozesse eingeleitet, um ihre Lieferketten zu überprüfen. Unternehmen wie BASF, Nestlé und Bunge haben die CIR bereits über die Suspendierung von Dinant in ihren Lieferketten informiert.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="560" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Protestaktion-scaled-e1751447130678-1024x560.jpg" alt="Protestaktion: Robin Wood und die Romero Initiative fordern Ende Mai auf einem Banner die Einhaltung von Sorgfaltspflichten ein. Die Protestaktion richtete sich an Olenex, ein Joint Venture von ADM und Wilmar, das Palmöl von Dinant bezieht. Credits: Fenna Otten, Robin Wood." class="wp-image-31721" style="width:700px" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Protestaktion-scaled-e1751447130678-1024x560.jpg 1024w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Protestaktion-scaled-e1751447130678-300x164.jpg 300w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Protestaktion-scaled-e1751447130678-768x420.jpg 768w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Protestaktion-scaled-e1751447130678-1536x840.jpg 1536w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Protestaktion-scaled-e1751447130678-2048x1120.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Protestaktion: Robin Wood und die Romero Initiative fordern Ende Mai auf einem Banner die Einhaltung von Sorgfaltspflichten ein. Die Protestaktion richtete sich an Olenex, ein Joint Venture von ADM und Wilmar, das Palmöl von Dinant bezieht. Credits: Fenna Otten, Robin Wood.   </em></figcaption></figure>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Aktueller Schritt: BAFA-Beschwerde, um Unternehmensverantwortung zu prüfen und Maßnahmen zu forcieren</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Anfang April 2025 reichten schließlich zwei Kooperativenmitglieder aus dem Agúan-Tal eine LkSG-Beschwerde beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ein. Ziel der Beschwerdeführer ist es, prüfen zu lassen, welche Unternehmen ihrer Verantwortung gerecht geworden sind – und welche nicht. Sorgfaltspflichtige Unternehmen müssen ihrer Verantwortung gerecht werden und sofort Abhilfe- und Präventionsmaßnahmen umsetzen, damit die Gewalt im Agúan gestoppt wird. Die Beschwerdeführenden fordern von Unternehmen in Deutschland weiterhin, Dinant so lange aus den Lieferketten zu verbannen, wie Gewalt und Einschüchterung fortgesetzt werden.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Auch wenn die Prüfung durch das BAFA noch andauert, hat das LkSG bereits eine positive Wirkung entfaltet:</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">   <strong>1.</strong>  Auf den Webseiten von LkSG-pflichtigen Unternehmen müssen Hinweis- und Beschwerdeportale zu finden sein, über die Unternehmen auf Missstände hingewiesen und zu einer Prüfung aufgefordert werden können. Im Dinant-Fall wurden die Hinweise durch die CIR eingebracht. Die Meldekanäle stehen grundsätzlich allen Hinweisgeber*innen offen und können auch anonym genutzt werden.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">   <strong>2</strong>.  Öffentliche Berichterstattung und Wissen über Missstände triggert die im LkSG enthaltene Regelung über „substantiierte Kenntnis“. Das bedeutet, dass Unternehmen sich auch mit dem Fall beschäftigen müssen, wenn keine Hinweise über die Meldeportale eingehen, aber sie Kenntnis über die Missstände erlangt haben. Im Fall Dinant informierte die CIR Unternehmen und Brancheninitiativen via E-Mail über die Risiken, die mit dem Handel von Öl des Herstellers einher gehen.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">  <strong> 3.</strong>  Das LkSG schreibt vor, dass alle großen Unternehmen klare Prozesse implementieren müssen, die zum Beispiel durch Beschwerden in Gang gesetzt werden. Diese Pflicht führte dazu, dass zahlreiche Unternehmen bereits Konsequenzen zogen, Maßnahmen ankündigten oder sogar die Lieferbeziehungen mit Dinant ausgesetzt haben.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">   <strong>4. </strong> Bei internationalen Unternehmen gelten diese Konsequenzen häufig global, sodass das LkSG sogar über Deutschland hinauswirkt.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">   <strong>5. </strong> Das BAFA hat Befugnisse, um Maßnahmen von Unternehmen zu sichten und zu bewerten. Es kann so Einsicht in Prozesse gewinnen, die normalerweise Black Boxes für Rechteinhabende und zivilgesellschaftliche Organisationen bleiben.</p>



<ol class="wp-block-list"></ol>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Hürden sind die intransparenten Lieferketten im Palmöl-Bereich, sodass für Außenstehende – auch für Rechteinhabende – nur bedingt nachvollziehbar ist, welche Unternehmen das betreffende Palmöl verarbeiten und in welchem Maße diese Unternehmen Einfluss gelten machen können. Zudem ist offen, ob kleinteilige und lange Lieferketten eine Verantwortungsdiffusion befördern, sodass letztendlich die Profiteure des „Systems Palmöl“ nicht für Rechtsverletzungen zur Rechenschaft gezogen werden.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Momentan wird über die Reformierung des LkSG und der europäischen Richtlinie gestritten. Das Beispiel Palmöl zeigt, wie wichtig es ist, weiterhin die gesamte Lieferkette in den Blick zu nehmen. Denn Rechtsverletzungen finden hier am Anfang statt, während Unternehmen entlang der gesamten Kette – von der Plantage bis zum Supermarkt – Profit machen.</p>



<div class="wp-block-advgb-images-slider advgb-images-slider-block advg-images-slider-119b34ac-1b39-4941-bb4b-552cecdf899d"><div class="advgb-images-slider" dir="ltr"><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/1-1.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:450px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/2-1.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:450px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/3-1.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:450px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/4-1.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:450px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/5-1.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:450px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div></div></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="sdfootnote1sym" href="#sdfootnote1anc">1</a> Jared Olson, 10. Oktober 2024, Mongabay: U.S. court approves historic settlement for Honduran farmers’ case against the World Bank’s IFC; <a href="https://news.mongabay.com/2024/10/world-banks-ifc-must-pay-reparations-to-honduran-farmers-us-court-rules/">https://news.mongabay.com/2024/10/world-banks-ifc-must-pay-reparations-to-honduran-farmers-us-court-rules/</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="sdfootnote2sym" href="#sdfootnote2anc">2</a> Jared Olson, 5. Juni 2025, Redación Regional: La mafia de la palma mata de nuevo, <a href="https://redaccionregional.com/especiales/la-mafia-de-la-palma-mata-de-nuevo/">La mafia de la palma mata de nuevo &#8211; Redacción RegionalRedacción Regional</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#sdfootnote3anc" id="sdfootnote3sym">3</a> Olson 2024.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#sdfootnote4anc" id="sdfootnote4sym">4</a> COMISIÓN INTERAMERICANA DE DERECHOS HUMANOS (CIDH), 6. Dezember 2016: RESOLUCIÓN 60/2016, Ampliación de beneficiarios a favor de integrantes de miembros, líderes y lideresas de la región del Bajo Aguán respecto de la República de Honduras, <a href="https://www.oas.org/es/cidh/decisiones/pdf/2016/mc50-14-es-ampliacion.pdf">mc50-14-es-ampliacion.pdf</a>; Ebd., 8 Mai 2014: Resolucion 11/2014, Asunto líderes y liderasas campensinas del Bajo Aguán respecto de la República de Honduras MEDIDA CAUTELAR No. 50-14, <a href="https://www.oas.org/es/cidh/decisiones/pdf/2014/mc50-14-es.pdf">mc50-14-es.pdf,</a>; Ebd., 26. Oktober 2023, CIDH presentó ante Corte IDH caso de Honduras por violaciones a derechos de integrantes de movimientos campesinos del Aguán, <a href="https://www.oas.org/es/CIDH/jsForm/?File=/es/cidh/prensa/comunicados/2023/251.asp">CIDH presentó ante Corte IDH caso de Honduras por violaciones a derechos de integrantes de movimientos campesinos del Aguán</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="sdfootnote5sym" href="#sdfootnote5anc">5</a> Leonardo Aguilar, 24. Februar 2023, Contra Corriente: Acuerdo para solucionar conflicto en el Aguán cumple un año manchado por asesinatos, <a href="https://contracorriente.red/2023/02/24/acuerdo-para-solucionar-conflicto-en-el-aguan-cumple-un-ano-manchado-por-asesinatos/">Acuerdo para solucionar conflicto en el Aguán cumple un año manchado por asesinatos &#8211; Contra Corriente</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="sdfootnote6sym" href="#sdfootnote6anc">6</a> Office of the High Commissioner for Human Rights in Honduras, United Nations, 4. Mai 2025: Dignidad y lucha: El derecho a la tierra en Honduras, in Noticias ONU, <a href="https://news.un.org/es/story/2025/05/1538466">Dignidad y lucha: El derecho a la tierra en Honduras | Noticias ONU</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="sdfootnote7sym" href="#sdfootnote7anc">7</a> United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (OCHA): Honduras: Situación de violencia en el Bajo Aguán Flash Update No 1, 13/2/2025 <a href="https://www.unocha.org/publications/report/honduras/honduras-situacion-de-violencia-en-el-bajo-aguan-flash-update-no-1-1322025">Honduras: Situación de violencia en el Bajo Aguán Flash Update No 1, 13/2/2025 | OCHA</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="sdfootnote8sym" href="#sdfootnote8anc">8</a> Kevin Isdro, Claudia Mendoza, 4. Februar 2025, Centro de Estudio para la Democracia (CESPAD): Análisis Semanal | El Bajo Aguán y una declaratoria de emergencia que el gobierno de Castro desatiende, <a href="https://cespad.org.hn/el-bajo-aguan-y-una-declaratoria-de-emergencia-que-el-gobierno-de-castro-desatiende/">Análisis Semanal | El Bajo Aguán y una declaratoria de emergencia que el gobierno de Castro desatiende &#8211; Cespad</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#sdfootnote9anc" id="sdfootnote9sym">9</a> Plataforma Agraria, Comunicado, 3. Juni 2025, <a href="https://www.facebook.com/PlataformaAgrariaHn/posts/pfbid0wNacAaFL2qrvS4PFJ7Py9hxVmbTw1aLJpu86F3u3yE7PUmvkNnH7Y4pjre95JR91l">https://www.facebook.com/PlataformaAgrariaHn/posts/pfbid0wNacAaFL2qrvS4PFJ7Py9hxVmbTw1aLJpu86F3u3yE7PUmvkNnH7Y4pjre95JR91l</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#sdfootnote10anc" id="sdfootnote10sym">10</a> Dominik Groß, Februar 2024, Romero Initiative (CIR): „Im Schatten der Ölpalme“- Palmöl-Report 2024, <a href="https://www.ci-romero.de/produkt/report-im-schatten-der-oelpalme/">https://www.ci-romero.de/produkt/report-im-schatten-der-oelpalme/</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="sdfootnote11sym" href="#sdfootnote11anc">11</a> U.a. Olsen 2024; ebd. 6. November 2021, The Intercept_: Violent Infiltration</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Honduras Land Battles, Paramilitaries Infiltrate Local Groups — Then Kill Their Leaders, <a href="https://theintercept.com/2021/11/06/honduras-paramilitaries-land-rights/">Intercept: Violent Infiltration</a>; Journal of Rural Studies (2019), Andrés León Araya, Journal of Rural Studies Volume 71, October 2019, Pages 134-143: The politics of dispossession in the Honduran palm oil industry: A case study of the Bajo Aguán, <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S074301671730623X?via%3Dihub">The politics of dispossession in the Honduran palm oil industry: A case study of the Bajo Aguán</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#sdfootnote12anc" id="sdfootnote12sym">12</a> Dominik Groß, 2024, Romero Initiative: RSPO in Glaubwürdigkeitskrise: Skandalunternehmen jetzt „nachhaltig“, <a href="https://www.ci-romero.de/palmoel-dinant-zertifiziert/">https://www.ci-romero.de/palmoel-dinant-zertifiziert/</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="sdfootnote13sym" href="#sdfootnote13anc">13</a> Romero Initiative u.a., 2025: Appell: Stoppt die Gewalt im Aguán-Tal, <a href="https://www.ci-romero.de/appell-stoppt-die-gewalt-in-aguan/">Appell: Stoppt die Gewalt in Agúan!</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Untragbare Zustände: Wie unsere Kleidung hergestellt wird</title>
		<link>https://www.lieferkettengesetz.de/fallbeispiel/untragbare-zustande/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sofie Kreusch]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Jun 2025 08:05:00 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">https://www.lieferkettengesetz.de/?post_type=cases&#038;p=29815</guid>

					<description><![CDATA[Ausbeutung, sexuelle Belästigung, ein Klima der Angst: Die Kleidung, die wir täglich tragen, stammt oft aus unhaltbaren Arbeitsbedingungen. Für viele Näher*innen ist ein würdevolles Leben nicht möglich – weder in Asien, noch in Lateinamerika oder Europa. Ein starkes EU-Lieferkettengesetz kann Abhilfe schaffen. 259 Menschen starben, als im September 2012 die Fabrik Ali Enterprises in Pakistan [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><strong>Ausbeutung, sexuelle Belästigung, ein Klima der Angst: Die Kleidung, die wir täglich tragen, stammt oft aus unhaltbaren Arbeitsbedingungen. Für viele Näher*innen ist ein würdevolles Leben nicht möglich – weder in Asien, noch in Lateinamerika oder Europa. Ein starkes EU-Lieferkettengesetz kann Abhilfe schaffen.</strong></p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">259 Menschen starben, als im September 2012 die Fabrik Ali Enterprises in Pakistan abbrannte.<a id="_ftnref1" href="#_ftn1">[1]</a> Mehr als 1.100 Menschen starben, als im April 2013 die Fabrik Rana Plaza in Bangladesch einstürzte.<a id="_ftnref2" href="#_ftn2">[2]</a> Beide Fabriken hatten Kleidung für den europäischen Markt produziert. Durch die Unglücke wurde vielen Menschen in Europa erstmalig klar: Unsere Jeans, T-Shirts und Hemden stammen häufig von Arbeiter*innen, die ausgebeutet und krankgemacht werden. Viele verbinden diese Probleme vor allem mit Ostasien und nehmen an, dass die Zustände in Europa besser sind: „Made in Europe“ suggeriert Qualität und gute Produktionsbedingungen. Deutsche und europäische Modekonzerne wie Hugo Boss, Esprit und Co. nutzen das Label: Sie lassen im großen Stil in Osteuropa produzieren. Doch auch in osteuropäischen Textilfabriken herrschen teils unzumutbare Bedingungen. Hungerlöhne, Drohungen und Arbeitsrechtsverletzungen gehören auch hier zum Alltag.<a id="_ftnref3" href="#_ftn3">[3]</a></p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="1000" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/07/1_Fallbeispiel-Textilfabrik-3_mobile.jpg" alt="Ausgebrannte Halle in der Textilfabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan, knapp zwei Wochen nach dem verheerenden Brand. Copyright: Ayesha Mir/The Express Tribune" class="wp-image-385" style="width:500px" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/07/1_Fallbeispiel-Textilfabrik-3_mobile.jpg 1000w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/07/1_Fallbeispiel-Textilfabrik-3_mobile-810x810.jpg 810w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/07/1_Fallbeispiel-Textilfabrik-3_mobile-150x150.jpg 150w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/07/1_Fallbeispiel-Textilfabrik-3_mobile-300x300.jpg 300w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/07/1_Fallbeispiel-Textilfabrik-3_mobile-768x768.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Ausgebrannte Halle in der Textilfabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan, knapp zwei Wochen nach dem verheerenden Brand. Copyright: Ayesha Mir/The Express Tribune</em></figcaption></figure>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Das zeigt: Menschenrechtsverletzungen in der Textilbranche gibt es nicht nur in Asien. Sie treten überall auf &#8211; auch in Lateinamerika und sogar in der EU. Um daran wirklich etwas zu verändern, wird das deutsche Lieferkettengesetz nicht ausreichen: Eine wirkliche, nachhaltige Veränderung in der globalen Textilindustrie wird es nur mit einem starken, europäischen Lieferkettengesetz geben.</p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Osteuropa, Asien, Lateinamerika: Ein weltweites Problem</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">In Bulgarien, Kroatien, Serbien und bis zum Kriegsbeginn auch in der Ukraine nähen 120.000 Beschäftigte alleine für den deutschen Markt. &nbsp;Die Fabriken beliefern deutsche Marken wie Hugo Boss, Gerry Weber oder Esprit. Die Gehälter der Beschäftigten reichen durchweg nicht zum Überleben. Viele arbeiten daher noch in Zweit- und Drittjobs. In Akkordzeiten wird ihnen der Urlaub gestrichen. Melden sie sich krank, wird ihr Lohn gekürzt. Viele Näher*innen sind chronisch erschöpft. Wer sich wehrt oder gewerkschaftlich organisiert, ist bedroht. Betroffen sind vor allem Frauen, die mit rund 90 Prozent den Großteil der Beschäftigten in Textilfabriken ausmachen.<a href="#_ftn4" id="_ftnref4">[4]</a></p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/4-1024x768.jpg" alt="Was ist zu sehen: Saeeda Khatoon erinnert bei einer Gedenkveranstaltung an ihren einzigen Sohn, den sie beim Brand in der Fabrik Ali Enterprises verlor. Sie ist eine der Betroffenen, die in Deutschland gegen KiK vor Gericht gezogen sind.
Copyright: ECCHR
" class="wp-image-31782" style="width:600px" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/4-1024x768.jpg 1024w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/4-300x225.jpg 300w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/4-768x576.jpg 768w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/4-1536x1152.jpg 1536w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/4.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Saeeda Khatoon erinnert bei einer Gedenkveranstaltung an ihren einzigen Sohn, den sie beim Brand in der Fabrik Ali Enterprises verlor. Sie ist eine der Betroffenen, die in Deutschland gegen KiK vor Gericht gezogen sind. Copyright: ECCHR</em><br></figcaption></figure>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Auch in Asien und Lateinamerika ist ein würdevolles Leben für die Arbeiter*innen in der Textilindustrie oft nicht möglich. Der Arbeitsdruck ist extrem hoch: Viele Arbeiter*innen verzichten sogar auf Toiletten- und Essenspausen, um die Produktionsziele zu erreichen. Frauen werden häufig beschimpft oder sexuell belästigt. Ein Klima der Angst verhindert, dass sich die Arbeiter*innen zur Wehr setzen: In vielen asiatischen Produktionsländern werden Arbeiter*innen aktiv daran gehindert, sich für die eigenen Rechte einzusetzen &#8211; tun sie es doch, werden sie gefeuert, bedroht oder inhaftiert.<a href="#_ftn5" id="_ftnref5">[5]</a> Ebenso in Mittelamerika: Alleine in El Salvador stellte die Staatsanwaltschaft 2019 20 Fälle von unterdrückter Gewerkschaftsfreiheit fest.<a href="#_ftn6" id="_ftnref6">[6]</a> Die angezeigten Fälle bilden aber nur die Spitze des Eisbergs. Aus Angst ihren Job zu verlieren wagen es die Arbeiter*innen in den meisten Fällen nicht, Arbeitsrechtsverletzungen anzuzeigen. Während der Corona-Pandemie hat sich der Druck auf die Arbeiter*innen weltweit weiter erhöht, da viele von ihnen keine Löhne bekommen haben oder entlassen wurden.<a href="#_ftn7" id="_ftnref7">[7]</a></p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Das deutsche Lieferkettengesetz führt zu ersten Erfolgen – reicht aber noch nicht aus</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Das 2021 verabschiedete Lieferkettengesetz soll die Lage in den Lieferketten deutscher Unternehmen verbessern: Ab 2023 sind große Unternehmen erstmals dazu verpflichtet, auf Menschenrechts- und Umweltstandards in ihren Lieferketten zu achten. Das ist ein wichtiger Schritt – und führte zu ersten Erfolgen: Durch das Lieferkettengesetz waren Unternehmen erstmals bereit, sich mit pakistanischen Gewerkschaften an einen Tisch zu setzen, die Probleme zu besprechen und Vereinbarungen zum Schutz von Arbeiter*innen zu treffen. Aber: Wenn solche Vereinbarungen von ihren Zulieferern missachtet werden, müssen deutsche Unternehmen aktiv werden. Und falls sie es nicht tun, muss die Aufsichtsbehörde einschreiten. </p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Um die Arbeitsbedingungen in der weltweiten Textilindustrie nachhaltig zu verändern, reicht das Gesetz und dessen Durchsetzung noch nicht aus: Erstens gilt es nur für sehr große Unternehmen, viele Unternehmen im Modesektor haben aber nur wenige hundert Beschäftigte.<a id="_ftnref8" href="#_ftn8">[8]</a> Zweitens verpflichtet es Unternehmen nicht dazu, für existenzsichernde Löhne in ihren Lieferketten zu sorgen. Zwar bezieht es sich auf Mindestlöhne in Produktionsländern – diese reichen aber oft nicht zum Überleben. Drittens müssen Unternehmen nach dem Lieferkettengesetz bei indirekten Zulieferern erst dann handeln, wenn sie Hinweise auf Missstände erhalten. Das ist absurd: Gerade in der Textilproduktion treten schwere Unglücke eher am Anfang der Lieferkette auf. Unternehmen sollten hier nicht erst handeln, wenn ein Unglück bereits geschehen ist – dann ist es zu spät. Viertens ermöglicht es das Lieferkettengesetz Betroffenen solcher Unglücke nicht, Schadensersatz von den beteiligten Unternehmen einzuklagen.<a id="_ftnref9" href="#_ftn9">[9]</a></p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/3-1024x576.jpg" alt="Überlebende und Angehörige der Arbeiter*innen, die beim Brand in der Textilfabrik Ali Enterprises ums Leben gekommen sind, fordern Gerechtigkeit für die Betroffenen. Sie haben sich in der Selbstorganisation Ali Enterprises Factory Fire Affectees Association (AEFFAA) zusammengeschlossen. 
Copyright: NTUF/AEFFAA/ECCHR
" class="wp-image-31781" style="width:500px" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/3-1024x576.jpg 1024w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/3-300x169.jpg 300w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/3-768x432.jpg 768w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/3.jpg 1032w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Überlebende und Angehörige der Arbeiter*innen, die beim Brand in der Textilfabrik Ali Enterprises ums Leben gekommen sind, fordern Gerechtigkeit für die Betroffenen. Sie haben sich in der Selbstorganisation Ali Enterprises Factory Fire Affectees Association (AEFFAA) zusammengeschlossen. <br>Copyright: NTUF/AEFFAA/ECCHR</em></figcaption></figure>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Mit dem EU-Lieferkettengesetz zum würdevollen Leben für Näher*innen</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Das Lieferkettengesetz hat also Schwächen – und gilt nur für Deutschland. Die im Januar 2026 verabschiedete EU-Lieferkettenrichtlinie bezieht sich dagegen auf den gesamten EU-Binnenmarkt – eine der größten Wirtschaftsregionen der Welt. Sie hat damit eine enorme Hebelwirkung, auch über diese Region hinaus. Zudem sieht sie deutliche Verbesserungen gegenüber dem deutschen Lieferkettengesetz vor, die helfen würden, die Rechte von Näher*innen zu stärken.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">So erkennt sie beispielsweise das Recht auf existenzsichernde Löhne an. Zudem betont sie den risikobasierten Ansatz und verpflichtet Unternehmen somit da hinzuschauen, wo die eigentlichen Missstände in der Lieferkette auftreten. Schließlich enthält die EU-Lieferkettenrichtlinie eine zivilrechtliche Haftungsregelung. Betroffene von Katastrophen, wie Rana Plaza oder Ali Enterprises, bekämen dadurch endlich eine realistische Chance, vor Gerichten in der EU eine Entschädigung für ihr erlittenes Leid einzuklagen.</p>



<div class="wp-block-advgb-images-slider advgb-images-slider-block advg-images-slider-7abac039-fa69-412b-86a2-a5b3d30363e7"><div class="advgb-images-slider" dir="ltr"><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/1-2.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:450px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/2-2.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:450px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/3-2.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:450px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/4-2.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:450px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/5-2.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:450px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div></div></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn1" href="#_ftnref1">[1]</a> Forensic Architecture (2018). The Ali Enterprises Factory Fire. Veröffentlicht unter: <a href="https://forensic-architecture.org/investigation/the-ali-enterprises-factory-fire" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://forensic-architecture.org/investigation/the-ali-enterprises-factory-fire</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn2" href="#_ftnref2">[2]</a> Bundeszentrale für politische Bildung (2018). Vor fünf Jahren: Textilfabrik in Bangladesch eingestürzt. Veröffentlicht unter: <a href="https://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/268127/textilindustrie-bangladesch" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/268127/textilindustrie-bangladesch</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn3" href="#_ftnref3">[3]</a> Studie „Ausbeutung Made in Europe“ von Clean Clothes Campaign und Brot für die Welt, 2020: <a href="https://www.brot-fuer-die-welt.de/fileadmin/mediapool/2_Downloads/Fachinformationen/Sonstiges/Studie_Ausbeutung_Made_in_Europe.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.brot-fuer-die-welt.de/fileadmin/mediapool/2_Downloads/Fachinformationen/Sonstiges/Studie_Ausbeutung_Made_in_Europe.pdf</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> a.a.O.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn5" href="#_ftnref5">[5]</a> <a href="https://suedostasien.net/kambodscha-keine-macht-dem-proletariat/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://suedostasien.net/kambodscha-keine-macht-dem-proletariat/</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Vgl. Urquilla, Jeannette (2020): Informe regional sobre la violencia laboral 2019, S. 22.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn7" href="#_ftnref7">[7]</a> <a href="https://cleanclothes.org/news/2021/live-blog-on-how-the-coronavirus-influences-workers-in-supply-chains" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://cleanclothes.org/news/2021/live-blog-on-how-the-coronavirus-influences-workers-in-supply-chains</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn8" href="#_ftnref8">[8]</a> Verband textil+mode (2017). Die deutsche Textil- und Modeindustrie in Zahlen, S. 14. Veröffentlicht unter: <a href="https://www.verband-textil-bekleidung.de/fileadmin/Daten/Rundschreiben-Wirtschaft/RS-2017-Wirtschaftspolitik/zahlen2017_web.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.verband-textil-bekleidung.de/fileadmin/Daten/Rundschreiben-Wirtschaft/RS-2017-Wirtschaftspolitik/zahlen2017_web.pdf</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn9" href="#_ftnref9">[9]</a> Siehe auch: Initiative Lieferkettengesetz (2021): Fragen und Antworten zum neuen Lieferkettengesetz. <a href="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2021/11/Initiative-Lieferkettengesetz_FAQ-Deutsch.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2021/11/Initiative-Lieferkettengesetz_FAQ-Deutsch.pdf</a></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Rücksichtsloser Bergbau: Kupferausbeutung auf Kosten von Mensch und Natur</title>
		<link>https://www.lieferkettengesetz.de/fallbeispiel/kupferminen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sofie Kreusch]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Jun 2025 13:46:25 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">https://lieferkettengesetz.de/?post_type=cases&#038;p=31701</guid>

					<description><![CDATA[Im Zuge der Digitalisierung, Energiewende und einer wachstumsbasierten Wirtschaft steigt der Hunger Deutschlands und der EU nach Rohstoffen wie Kupfer immer weiter an – mit gravierenden Folgen für die Umwelt und die Gesundheit der Anwohner*innen von Minen. Betroffene Menschen und Organisationen aus Panama und Mexiko nutzen das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, um vom deutschen Metall-Konzern Aurubis dringend nötige [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><strong><strong>Im Zuge der Digitalisierung, Energiewende und einer wachstumsbasierten Wirtschaft steigt der Hunger Deutschlands und der EU nach Rohstoffen wie Kupfer immer weiter an – mit gravierenden Folgen für die Umwelt und die Gesundheit der Anwohner*innen von Minen. Betroffene Menschen und Organisationen aus Panama und Mexiko nutzen das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, um vom deutschen Metall-Konzern Aurubis dringend nötige Maßnahmen zur Behebung und Verhinderung von Menschenrechtsverletzungen einzufordern.</strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Panama: Gewalt und Umweltzerstörung durch Kupfermine</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Ende 2023 demonstrierten in Panama tausende Menschen gegen das Bergbauprojekt Cobre Panamá, eine der größten Kupferminen weltweit, betrieben vom kanadischen Konzern First Quantum Minerals. Das Parlament hatte einem Abbauvertrag zugestimmt, den die Bevölkerung als ausbeuterisch und neokolonial einstufte. Das Unternehmen hatte bereits seit 2019 ohne gültigen Konzessionsvertrag – also illegal – mitten in einem Naturschutzgebiet große Mengen Kupfererz abgebaut.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Dennoch ging die Polizei äußerst repressiv gegen die demonstrierenden Bauern und Bäuerinnen, Indigenen und Studierenden vor. Fünf Menschen starben durch gewaltvolle Auseinandersetzungen, hunderte wurden verletzt oder willkürlich verhaftet.<a href="#_ftn1" id="_ftnref1">[1]</a> Zwar wurde das Bergbauprojekt am Ende geschlossen, aber der riesige Abbaukrater, aus dem weiterhin giftige Schwermetalle gewaschen werden, bleibt. Die Umweltorganisation CIAM befürchtet, dass ein mit giftigen Bergbaurückständen befülltes Rückhaltebecken der Mine brechen und eine Umweltkatastrophe verursachen könnte.<a href="#_ftn2" id="_ftnref2">[2]</a> Aktuell (Stand Mai 2025) unternimmt die Regierung Schritte, um das Mega-Bergbauprojekt wiederzueröffnen.<a href="#_ftn3" id="_ftnref3">[3]</a> Dadurch könnten indigene und kleinbäuerliche Gemeinden, die die Rohstoffausbeutung ablehnen, erneut Opfer gewaltsamer Auseinandersetzungen und Repression werden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="595" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Cholo-Garcia_Bergbau-Panama-e1751445283788-1024x595.jpg" alt="" class="wp-image-31770" style="width:600px" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Cholo-Garcia_Bergbau-Panama-e1751445283788-1024x595.jpg 1024w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Cholo-Garcia_Bergbau-Panama-e1751445283788-300x174.jpg 300w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Cholo-Garcia_Bergbau-Panama-e1751445283788-768x446.jpg 768w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Cholo-Garcia_Bergbau-Panama-e1751445283788-1536x893.jpg 1536w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Cholo-Garcia_Bergbau-Panama-e1751445283788.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">EIne vom BErgbau betroffenen Gemeinde in Panama / Foto: Cholo García</figcaption></figure>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Der Hamburger Metall-Konzern Aurubis importierte bis 2023 große Mengen Kupfererz aus der Mine Cobre Panamá.<a href="#_ftn4" id="_ftnref4">[4]</a> Damit geht eine menschenrechtliche Verantwortung einer, der Aurubis seit 2023 im Rahmen des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes nachkommen muss. Im Februar 2025 reichte die panamaische Organisation CIAM zusammen mit der Romero Initiative (CIR) einen Hinweis beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle im Rahmen des Lieferkettengesetzes ein.<a href="#_ftn5" id="_ftnref5">[5]</a> Die beiden Organisationen argumentieren darin: Aurubis ignorierte das Konfliktpotential der illegalen Mine, von der der Konzern nie Kupfererz hätte beziehen dürfen. Die Organisationen empfehlen dem BAFA, Aurubis zu konkreten Abhilfe- und Präventionsmaßnahmen aufzufordern, um die Menschen vor der Umweltverschmutzung zu schützen. Insbesondere wenn Aurubis nach einer erneuten Inbetriebnahme der Mine wieder Lieferbeziehungen zu Cobre Panamá aufnimmt, muss der Hamburger Konzern mit wirksamen Maßnahmen weitere Menschenrechtsverletzungen verhindern.</p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Mexiko: Betroffene reichen Lieferkettengesetz-Beschwerde gegen Aurubis ein&nbsp;</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Im mexikanischen Bundesstaat Sonora ereignete sich 2014 in der Mine Buena Vista del Cobre des Bergbaukonzerns Grupo México eine gravierende Umweltkatastrophe. Dort gelangten 40.000 Kubikmeter Kupfersulfat in den Fluss Sonora und kontaminierten Menschen und Umwelt. Im vergangenen August jährte sich die schlimmste Bergbaukatastrophe in der Geschichte Mexikos zum zehnten Mal. Doch sie gehört für die über 22.000 betroffenen Menschen nicht der Vergangenheit an.<a href="#_ftn6" id="_ftnref6">[6]</a></p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Das Fluss- und Grundwasser ist nach wie vor mit Schwermetallen belastet. Einer staatlichen Studie zufolge haben die Anwohner*innen u. a. hohe Blei- und Arsen-Konzentrationen im Blut.<a href="#_ftn7" id="_ftnref7">[7]</a> Viele sind krank geworden oder bereits an Krankheiten wie Krebs gestorben.<a href="#_ftn8" id="_ftnref8">[8]</a> Der verantwortliche Konzern Grupo México schuldet den Betroffenen bis heute 36 zugesagte Wasserreinigungsanlagen für sauberes Trinkwasser und ein Krankenhaus. „Heute erinnern wir uns an zehn Jahre der Straflosigkeit und des Missbrauchs verarmter Territorien. Zehn Jahre der Missachtung jener, die Gerechtigkeit fordern“, klagt Martha Velarde bei einer Gedenkveranstaltung im August 2024 an.<a href="#_ftn9" id="_ftnref9">[9]</a></p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Die mittlerweile verstorbene Aktivistin hatte selbst Schwermetalle im Blut und litt an Leberproblemen. Sie forderte seit Jahren Wiedergutmachung, während der Bergbaukonzern ein neues gigantisches Schlammbecken mit immer mehr toxischen Rückständen befüllt. Ein Bruch des neuen Damms hätte noch gravierendere Folgen und würde zahlreiche Menschenleben gefährden.<a href="#_ftn10" id="_ftnref10">[10]</a></p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Poder_Mexiko-1024x683.jpg" alt="Protestkundgebung anlässlich des zehnten Jahrestags der Bergbaukatastrophe in Mexiko" class="wp-image-31771" style="width:600px" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Poder_Mexiko-1024x683.jpg 1024w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Poder_Mexiko-300x200.jpg 300w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Poder_Mexiko-768x512.jpg 768w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Poder_Mexiko-1536x1024.jpg 1536w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Poder_Mexiko-2048x1365.jpg 2048w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/Poder_Mexiko-600x400.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Protestkundgebung anlässlich des zehnten Jahrestags der Bergbaukatastrophe in Mexiko / Foto: Poder</em></figcaption></figure>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Der Handelsdatenbank Panjiva zufolge importierte Aurubis von Januar 2023 bis September 2024 65.333 Tonnen Kupferkonzentrat im Wert von 110.104.315 US-Dollar. Daten von Panjiva zufolge setzen sich die Kupfererz-Importe von Grupo México nach Hamburg auch 2025 fort. Martha Velarde reichte im Februar 2025 mit Unterstützung der Romero Initiative (CIR) und der mexikanischen Organisation PODER eine Lieferkettengesetz-Beschwerde gegen Aurubis ein.<a href="#_ftn11" id="_ftnref11">[11]</a></p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Die Situation im Umfeld der Mine ist Aurubis seit Jahren bekannt.<a href="#_ftn12" id="_ftnref12">[12]</a> Da essenzielle Maßnahmen zur humanitären Versorgung der Bevölkerung nie ergriffen wurden, gehen die Betroffenen davon aus, dass Aurubis seine Sorgfaltspflichten verletzt hat. Wenige Tage, nachdem Martha Velarde die Beschwerde einreichte, verstarb sie an inneren Erkrankungen, die sie selbst auf die Gesundheitsschädigungen durch die Mine und fehlende toxikologische Behandlung zurückführte. Der Verlust der Aktivistin ist ein schwerer Schlag für die betroffenen Menschen, die seit Jahren für Gerechtigkeit kämpfen.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Im April 2025 reichte die CIR die Beschwerde erneut für zwei Frauen ein, die ebenfalls an massiven Gesundheitsschädigungen und der Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen leiden. Zuvor hatte die CIR die Benachrichtigung des BAFA erhalten, dass Martha Velardes Beschwerde die Anforderungen des Gesetzes erfülle und die Behörde nun eine anlassbezogene Überprüfung des Metallkonzerns einleite.<a href="#_ftn13" id="_ftnref13">[13]</a></p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Geschädigte Gemeinden fordern Erhaltung des Lieferkettengesetzes</strong></h4>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Der Megabergbau führt oft zu massiven Umweltzerstörungen, die jahrzehntlang die Gesundheit der Bevölkerung schädigen kann. In Mexiko hat der Bergbaukonzern es auch nach zehn Jahren nicht geschafft, der Bevölkerung die essenziellste Trinkwasser- und Gesundheitsversorgung zur Verfügung zu stellen.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Das Lieferkettengesetz bietet hier einen wirksamen Hebel, denn Großkonzerne wie Aurubis haben durch ihre enormen Importe einen Einfluss auf Bergbaukonzerne. Sie müssen ihn nutzen, um die Folgen von Umweltschädigungen zu beheben. Außerdem müssen sie präventive Maßnahmen ergreifen, um gewaltsame Konflikte und Umweltkatastrophen zu verhindern. Dies erfordert, die Situation engmaschig zu überwachen und die Betroffenen einzubeziehen. Nur so besteht eine Chance, dass der Rohstoffhunger nicht zu menschenverachtender Rohstoffplünderung führt.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Dennoch will die aktuelle Bundesregierung laut Koalitionsvertrag die Berichtspflichten und die Möglichkeit von Sanktionen im Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz abschaffen, bis die EU-Lieferkettenrichtlinie in deutsches Recht umgesetzt ist. Bundeskanzler Friedrich Merz forderte Mitte Mai bei einem Besuch in Brüssel sogar die Abschaffung der EU-Richtlinie. Für die Betroffenen Menschen ist das nicht hinnehmbar.</p>



<div class="wp-block-advgb-images-slider advgb-images-slider-block advg-images-slider-f40ca631-9fae-45e6-b80c-1f5a297df409"><div class="advgb-images-slider" dir="ltr"><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/1.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:456px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/2.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:456px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/3.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:456px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/4.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:456px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/06/5.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:456px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div></div></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Vgl. Chandiramani, Rekka/Benjamín, Ana Teresa (2024): Nuevo informe concluye que se violaron derechos humanos y de protesta durante las protestas contra la minería en Panamá, resumen ejecutivo: <a href="https://miningwatch.ca/sites/default/files/resumenejecutivo_panama_esp.pdf">https://miningwatch.ca/sites/default/files/resumenejecutivo_panama_esp.pdf</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Sie beziehen sich dabei auf eine Studie der Environmental Law Alliance Worldwide (ELAW), die erhebliche Sicherheitsmängel im Zusammenhang mit dem Damm identifiziert. Vgl. ELAW (2024): Preliminary Comments on Cobre Panamá: <a href="https://docs.uicnpanama.org/pages/view.php?ref=111&amp;search=&amp;offset=87&amp;order_by=field12&amp;sort=&amp;archive=0#Header">https://docs.uicnpanama.org/pages/view.php?ref=111&amp;search=&amp;offset=87&amp;order_by=field12&amp;sort=&amp;archive=0#Header</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Vgl. Delacroix, Matias: El gobierno de Panamá da indicios de querer reabrir una controvertida mina de cobre, AP News, 22.03.2025: <a href="https://apnews.com/article/panama-mina-de-cobre-canada-medio-ambiente-d5ee7ec94d5602e833b54629456a4ad7">https://apnews.com/article/panama-mina-de-cobre-canada-medio-ambiente-d5ee7ec94d5602e833b54629456a4ad7</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Laut Statistischem Bundesamt importierte Deutschland 2023 Kupfererzkonzentrat im Wert von über 150 Millionen Euro aus Panama. Aurubis veröffentlicht nur die Bezugsländer, nicht die konkreten Lieferanten. Da es in Panama aber nur eine Kupfermine gibt, räumte Aurubis der CIR gegenüber die Importe von Cobre Panamá ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Der Hinweis beim BAFA ist hier abrufbar: <a href="https://www.ci-romero.de/konsequenzen-fuer-aurubis/">https://www.ci-romero.de/konsequenzen-fuer-aurubis/</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Die Folgen für die Umwelt und die Gesundheit der Menschen wurden in den letzten zehn Jahren immer wieder durch wissenschaftliche Studie staatlicher Behörden bestätigt. 2023 erschien ein umfangreiches Umweltgutachten des Umweltsekretariats der Regierung, das die Verschmutzung des Fluss- und Grundwassers durch Schwermetalle nachwies. Vgl. SEMARNAT (2023): Dictamen Diagnóstico Ambiental Río Sonora: <a href="https://www.gob.mx/cms/uploads/attachment/file/859786/Ri_o_Sonora_28_07_23_.pdf">https://www.gob.mx/cms/uploads/attachment/file/859786/Ri_o_Sonora_28_07_23_.pdf</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> Vgl. CENAPRECE (2022): Abordaje toxicológico de salud, S. 12: Presentacion &#8211; Abordaje Toxicologico &#8211; Abril 2022.pdf &#8211; Nextcloud</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> Vgl. Shailer, Daniel: They’re waiting till we die of cancer: 10 years on Mexicos worst mining disaster still poisons lives, The Guadian, 24.07.2024: <a href="https://www.theguardian.com/global-development/article/2024/jul/24/theyre-waiting-till-we-die-of-cancer-10-years-on-mexicos-worst-mining-disaster-still-poisons-lives">https://www.theguardian.com/global-development/article/2024/jul/24/theyre-waiting-till-we-die-of-cancer-10-years-on-mexicos-worst-mining-disaster-still-poisons-lives</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> Comités Cuenca Río Sonora (2024): Pronunciamiento. <a href="https://poderlatam.org/wp-content/uploads/2024/08/RS10_PronunciamientoCCRS.pdf">https://poderlatam.org/wp-content/uploads/2024/08/RS10_PronunciamientoCCRS.pdf</a><ins></ins></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> 2023 gab ein Gericht in Sonora den Gemeinden recht und urteilte, dass das Unternehmen und die staatlichen Behörden keine ausreichenden Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor einer weiteren Katastrophe durch einen Dammbruch unternommen haben. Vgl. PODER: Tribunal Colegiado da la razón a comunidades de Río Sonora en el caso de la megapresa de jales, 22.05.2023: https://poderlatam.org/2023/05/tribunal-colegiado-da-la-razon-a-comunidades-de-rio-sonora-enel-caso-de-la-megapresa-de-jales/</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> Die BAFA-Beschwerde ist hier abrufbar: <a href="https://www.ci-romero.de/konsequenzen-fuer-aurubis/">https://www.ci-romero.de/konsequenzen-fuer-aurubis/</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> Schon 2019 veröffentlichte die Romero Initiative die Studie „Der deutsche Rohstoffhunger“, in der der Fall ausführlich dokumentiert ist: <a href="https://www.ci-romero.de/produkt/studie-der-deutsche-rohstoffhunger-2/">https://www.ci-romero.de/produkt/studie-der-deutsche-rohstoffhunger-2/</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref13" id="_ftn13">[13]</a> Vgl. Kolvenbach, Marcel: BAFA leitet Prüfung gegen Kupferkonzern Aurubis ein, tagesschau.de, 03.04.2025: <a href="https://www.tagesschau.de/investigativ/swr/aurubis-lieferkette-beschwerde-bafa-umweltverschmutzung-schwermetalle-mexiko-100.html">https://www.tagesschau.de/investigativ/swr/aurubis-lieferkette-beschwerde-bafa-umweltverschmutzung-schwermetalle-mexiko-100.html</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Stand: 6. Juni 2025</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Geschäft mit der Sicherheit: TÜV SÜD und der Dammbruch von Brumadinho</title>
		<link>https://www.lieferkettengesetz.de/fallbeispiel/das-geschaft-mit-der-sicherheit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sofie Kreusch]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Apr 2025 13:15:12 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">https://www.lieferkettengesetz.de/?post_type=cases&#038;p=29818</guid>

					<description><![CDATA[Das Unternehmen TÜV SÜD zertifizierte über seine brasilianische Tochterfirma im September 2018 die Stabilität des Damms eines Rückhaltebeckens für Minenschlämme. Am 25. Januar 2019 aber brach der Damm und riss in der Gemeinde Brumadinho 272 Menschen in den Tod. Ein wirksames EU-Lieferkettengesetz hätte diese Katastrophe womöglich verhindert, zumindest jedoch die Chancen auf Entschädigung für die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><strong><strong>Das Unternehmen TÜV SÜD zertifizierte über seine brasilianische Tochterfirma im September 2018 die Stabilität des Damms eines Rückhaltebeckens für Minenschlämme. Am 25. Januar 2019 aber brach der Damm und riss in der Gemeinde Brumadinho 272 Menschen in den Tod. Ein wirksames EU-Lieferkettengesetz hätte diese Katastrophe womöglich verhindert, zumindest jedoch die Chancen auf Entschädigung für die Opfer und Hinterbliebenen verbessert.</strong></strong></p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Tausende Menschen sind bis heute betroffen, haben Familie, Freunde, ihre Gesundheit, Häuser, Ländereien, Arbeit und Einkommen verloren. Die Entschädigungssituation ist sehr komplex, mit Betroffenen, die gar nicht als solche anerkannt werden, und anderen, die die Entschädigungssumme für viel zu niedrig halten. Noch heute leben die traumatisierten Menschen in Angst vor weiteren Dammbrüchen. &nbsp;</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Laut dem monatlich herausgebrachten Bericht der Nationalen Bergbaubehörde gilt aktuell für 103 Dämme eine Gefahrenwarnung. Davon befinden sich 37 in Minas Gerais, dem Bundesstaat mit den meisten Dämmen in einer erklärten Notstandsituation (Stand: Mai 2025).<a href="https://www.lieferkettengesetz.de/fallbeispiel/das-geschaft-mit-der-sicherheit/#_ftn1">[1]</a>&nbsp;Der schwermetallhaltige Schlamm verseuchte darüber hinaus das Flusstal des Rio Paraopeba. Immer wieder strömen bei Starkregen- und Hochwasserereignissen, wie zuletzt im Januar 2022, toxische Schlämme bis in die Wohnungen der Menschen, die in der Nähe des Flusses leben. Die Verursacher haben die Schlämme nie umfassend beseitigt.&nbsp; &nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="638" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/07/2_Fallbeispiel_Dammbruch-1c-1024x638.jpg" alt="Ein vom Schlamm zerstörtes Haus. Foto: Ricardo Sturk, Movimento dos Atingidos por Barragens (MAB), Brasilien" class="wp-image-464" style="width:600px" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/07/2_Fallbeispiel_Dammbruch-1c-1024x638.jpg 1024w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/07/2_Fallbeispiel_Dammbruch-1c-300x187.jpg 300w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/07/2_Fallbeispiel_Dammbruch-1c-768x479.jpg 768w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/07/2_Fallbeispiel_Dammbruch-1c.jpg 1300w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Ein vom Schlamm zerstörtes Haus. Foto: Ricardo Sturk, Movimento dos Atingidos por Barragens (MAB), Brasilien</em></figcaption></figure>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Der Damm gehörte zu einer Mine des brasilianischen Bergbaukonzerns Vale S.A. 2018 hatte die brasilianische Tochterfirma der deutschen TÜV SÜD-AG die Stabilität des Damms bescheinigt, obwohl ihr die massiven Stabilitätsprobleme laut brasilianischer Staatsanwaltschaft schon bekannt waren.<a href="https://www.lieferkettengesetz.de/fallbeispiel/das-geschaft-mit-der-sicherheit/#_ftn2">[2]</a>&nbsp;Mit verheerenden Folgen: Die brasilianischen Behörden veranlassten keine Maßnahmen zur Sicherung. Die Ursache war mutmaßlich Korruption: Das Zertifizierungsunternehmen hatte mehrere zum Teil erheblich lukrativere Beratungsverträge von derselben Betreiberfirma Vale S.A. erhalten und fürchtete deren Entzug, falls sie die Stabilitätserklärung für den Damm verweigern würde, wie die Staatsanwaltschaft von Minas Gerais in ihrem strafrechtlichen Ermittlungsverfahren feststellte.<a href="https://www.lieferkettengesetz.de/fallbeispiel/das-geschaft-mit-der-sicherheit/#_ftn3">[3]</a></p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Doch die Verantwortungskette reicht bis nach Deutschland: Dokumente legen nahe, dass auch ein Mitarbeiter der Münchner TÜV-SÜD-Zentrale von den Problemen mit dem Damm frühzeitig Bescheid wusste – und womöglich sogar die Entscheidung traf, den Damm als stabil zu erklären.<a href="https://www.lieferkettengesetz.de/fallbeispiel/das-geschaft-mit-der-sicherheit/#_ftn4">[4]</a></p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="1000" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/07/2_Fallbeispiel_Dammbruch-3_mobile.jpg" alt="Foto 1: Rettungskräfte suchen nach dem Dammbruch mit Suchhunden nach Leichen. Auch 6 Monate nach dem Dammbruch sind noch nicht alle Verschwundenen gefunden, immer noch sind Leichen im Schlamm verschüttet. Foto: Ricardo Sturk, Movimento dos Atingidos por Barragens (MAB), Brasilien" class="wp-image-400" style="width:500px" srcset="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/07/2_Fallbeispiel_Dammbruch-3_mobile.jpg 1000w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/07/2_Fallbeispiel_Dammbruch-3_mobile-810x810.jpg 810w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/07/2_Fallbeispiel_Dammbruch-3_mobile-150x150.jpg 150w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/07/2_Fallbeispiel_Dammbruch-3_mobile-300x300.jpg 300w, https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2019/07/2_Fallbeispiel_Dammbruch-3_mobile-768x768.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Rettungskräfte suchen nach dem Dammbruch mit Suchhunden nach Leichen. Foto: Ricardo Sturk, Movimento dos Atingidos por Barragens (MAB), Brasilien</em></figcaption></figure>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Das deutsche Lieferkettengesetz, das Anfang 2023 in Kraft getreten ist, schützt die Betroffenen in einem solchen Fall nicht angemessen, da es nur in engem Rahmen ein Recht auf eine saubere Umwelt vorsieht und keine zivilrechtliche Klagemöglichkeiten wegen der Verletzung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten eröffnet.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Die EU-Lieferkettenrichtlinie, im Januar 2026 verabschiedet, würde den Schutz Betroffener deutlich verbessern. Die umweltrechtlichen Verbotstatbestände sind deutliche umfassender als die im deutschen Lieferkettengesetz vorgesehene Regelung. Zudem enthält die EU-Lieferkettenrichtlinie eine eigene zivilrechtliche Haftungsnorm. Wenn Prüfunternehmen durch Missachtung menschenrechtlicher und umweltbezogener Sorgfaltspflichten – sei es aus Fahrlässigkeit oder aufgrund von Korruption – Schäden mitverursachen, könnten Betroffene leichter Schadensersatzansprüche geltend machen. Zurzeit ist dies nur nach allgemeinen Zivilrecht möglich und mit hohen Hürden verbunden. Die EU-Richtlinie muss deshalb zügig von den Mitgliedstaaten umgesetzt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<div class="wp-block-advgb-images-slider advgb-images-slider-block advg-images-slider-3fa3c740-4ed5-4c70-900a-d67e97a0ecd1"><div class="advgb-images-slider" dir="ltr"><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/04/1.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:400px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/04/2.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:400px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/04/3.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:400px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/04/4.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:400px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div><div class="advgb-image-slider-item"><img decoding="async" src="https://www.lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2025/04/5.png" class="advgb-image-slider-img" alt="" style="width:400px;height:auto"/><div class="advgb-image-slider-item-info" style="justify-content:center;align-items:center"></div></div></div></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn1" href="#_ftnref1">[1]</a> <a href="https://www.gov.br/anm/pt-br/assuntos/barragens/boletim-de-barragens-de-mineracao/boletim-mensal-abril-2025.pdf">boletim-mensal-abril-2025.pdf</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn2" href="#_ftnref2">[2]</a> Gude, Hubert/Klaus Hecking (2019): Brasilianische Richterin wirft TÜV Süd Versagen vor. Veröffentlicht unter: <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/brasilien-richter-werfen-tuev-sued-versagen-vor-a-1269145.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.spiegel.de/wirtschaft/brasilien-richter-werfen-tuev-sued-versagen-vor-a-1269145.html</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Ministério Público do Estado de Minas Gerais (2019): Procedimiento Investigatorio Criminal n. MPMG, Inquérito Civil n. MPMG-0090.16.000311-8.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Gude, Hubert/Klaus Hecking (2019).</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Text aktualisiert: 24. Juni 2025</p>
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