Pressebereich

Herzlich willkommen im Pressebereich der Initiative Lieferkettengesetz. Hier finden Sie alle unsere Pressemitteilungen und -statements. Sie können uns gerne per Mail an presse@lieferkettengesetz.de kontaktieren, wir bemühen uns um eine zeitnahe Antwort. Wenn Sie kein*e Journalist*in sind, nutzen Sie für Ihre Anfrage bitte die Adresse info@lieferkettengesetz.de.

 

Pressestatement

Investigativrecherche deckt auf: Wirtschaftsministerium hebelt Lieferkettengesetz aus

Berlin, 19.08.2026

Eine Investigativrecherche des ZDF hat offengelegt, wie das Wirtschaftsministerium unter Katherina Reiche das ihr unterstellte Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) systematisch daran hindert, seinem gesetzlichen Auftrag der Durchsetzung und Kontrolle des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG) nachzukommen. Insider*innen berichten von „Druck von oben“, Verfahren schnell abzuschließen, Gesetzesverstöße nicht zu ahnden und neuen Beschwerden gar nicht erst nachzugehen. 

Sofie Kreusch, Koordinatorin der Initiative Lieferkettengesetz kommentiert: „Um es noch einmal deutlich auf den Punkt zu bringen: Das Wirtschaftsministerium hebelt ein geltendes Gesetz zum Schutz von Menschenrechten und Umwelt aus – während sich in der zuständigen Behörde die Beschwerdefälle stapeln. Dieses Vorgehen ist nicht nur höchst problematisch angesichts der vielen Fälle von Ausbeutung, Umweltzerstörung und Kinderarbeit in den Lieferketten deutscher Unternehmen, sondern auch ein Angriff auf unseren Rechtsstaat.“ 

Die Enthüllungen der ZDF-Recherche decken sich mit den Erfahrungen unserer Bündnisorganisationen, die gemeinsam mit Gewerkschaften und Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen Beschwerdefälle betreuen. 

Lisa Pitz, Juristin beim ECCHR berichtet aus der Praxis: „In einem von uns begleiteten Beschwerdefall wechselte der zuständige Referatsleiter vier Mal in drei Jahren, keine der Stellen wurde nachbesetzt. Es wird immer schwieriger, die aktuell zuständigen Personen ausfindig zu machen und zu erreichen. Beschwerdeführer*innen erleben außerdem überlange Verfahrensdauern: In einem Fall wurde nach eineinhalb Jahren noch immer nicht über die Zulässigkeit der Beschwerde entschieden.“ 

Auch den Partnerorganisationen von FEMNET wird die Zusammenarbeit mit dem BAFA extrem erschwert. Die Vorstandsvorsitzende Dr. Gisela Burckhardt erläutert: „Für eine Gewerkschaft oder NGO im Globalen Süden ist es eine Zumutung, selber eine Beschwerde beim BAFA einzureichen. Zwar ist die Beschwerdevorlage noch auf Englisch, aber danach kommuniziert das BAFA nur noch auf Deutsch!“ 

Tina Lutz, Teamleitung Internationaler Waldschutz und Lieferketten bei der Deutschen Umwelthilfe, hat ähnliche Erfahrungen gemacht: „Unser Eindruck ist, dass sich das BAFA bei seinen Ermittlungen vor allem auf die Einlassungen der Unternehmen verlässt. Zudem werden Nichtregierungsorganisationen bei reinen Hinweisschreiben gänzlich im Dunkeln über den weiteren Fortgang des Verfahrens gelassen. Das ist intransparent und deshalb inakzeptabel.

Vor dem Hintergrund der jüngst aufgedeckten Einflussnahme der fossilen Lobby auf Kanzleramt und Wirtschaftsministerium bei der Schwächung der EU-Lieferkettenrichtlinie gewinnt dieser Vorgang eine zusätzliche politische Brisanz. Die Initiative Lieferkettengesetz fordert die Bundesregierung auf, eine unabhängige Umsetzungsbehörde, wie von der EU Lieferkettenrichtlinie vorgeschrieben, umzusetzen. 


Pressekontakte:
ECCHR: Sigrun Matthiesen, +49 30 40048590, presse@ecchr.eu
DUH: Ceren Yildiz, +49 30 2400867873, yildiz@duh.de
FEMNET: Dr. Gisela Burckhardt, +49 22894499682, Gisela.Burckhardt@femnet.de
ILG: Sofie Kreusch, +49 30 577132889, presse@lieferkettengesetz.de

Presse-Downloads

Hier gibt es Presse-Material. Unter Mitmachen gibt es weiteres Material der Initiative. Für Presseanfragen: presse@lieferkettengesetz.de

Newsletter abonnieren